In zwei, drei Monaten. Vielleicht. Als er nach einem möglichen Zeitpunkt für eine nächste Runde der Zypern-Gespräche gefragt wird, wirkt UN-Generalsekretär Antonio Guterres nicht besonders überzeugt von seinen eigenen Aussagen. Doch er fügt hinzu: "Ich gebe nicht auf."

Dabei soll sogar die Drohung im Raum gestanden haben, dass Guterres sein Mandat als Vermittler zurücklegt, sollte es keine Bewegung in den Verhandlungen um eine Wiedervereinigung der seit Jahrzehnten geteilten Mittelmeerinsel geben. Immerhin sollen nun weitere informelle Beratungen folgen.

Denn für die Aufnahme formeller Verhandlungen gebe es nicht genügend Übereinstimmung zwischen den Partnern, räumte der Portugiese am Donnerstag vor Journalisten in Genf ein. In der Schweiz sind Vertreter der griechischen und türkischen Zyprioten, der Garantiemächte Griechenland und der Türkei sowie Großbritanniens, das auf Zypern noch Militärbasen unterhält, drei Tage lang zusammengesessen. Doch sind sie in ihren Gesprächen unter Vermittlung der Vereinten Nationen nicht viel weiter gekommen als vor vier Jahren, bei der letzten hochrangig besetzten Runde.

An diese wollten die griechischen Zyprioten dennoch anknüpfen. Präsident Nikos Anastasiades pocht nämlich auf die Vorschläge, die bereits seit Jahren auf dem Tisch liegen: Eine "bikommunale und bizonale Föderation" solle geschaffen werden, ein Bundesstaat mit einer starken Zentralregierung. Damit sehen sich die griechischen Zyprioten im Einklang mit den Vorstellungen der EU und der UNO.

Hingegen lehnen sie die Idee ab, die der türkisch-zypriotische Präsident Ersin Tatar lanciert. Er wirbt für eine Zwei-Staaten-Lösung, in der beide Landesteile ihre jeweils eigene Souveränität besitzen und auch international gleichwertig auftreten können. Denn bisher ist der Norden Zyperns, wo 1974 türkische Truppen als Reaktion auf einen von Griechenland gesteuerten Putschversuch einmarschiert sind, politisch und wirtschaftlich isoliert. Er ist zwar genauso wie der Süden Teil der EU, doch kommt EU-Recht dort nicht zur Anwendung. Die 1983 gegründete Türkische Republik Nordzypern wird lediglich von der Türkei anerkannt, die noch immer tausende Soldaten auf der Insel statoniert und diese finanziell stützt.

Zwei-Staaten-Lösung mehr als nur Theorie

Ankara gefiele die Zwei-Staaten-Lösung gut. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu lobte daher Tatar für die Vorschläge und kritisierte die griechischen Zyprioten dafür, dass diese keinerlei neuen Konzepte parat hätten.

Frisch ist freilich auch die Idee der zwei Staaten nicht. Es hat sie nämlich auf Nordzypern schon vor Jahrzehnten gegeben. Die Türkei ist ebenfalls nicht erpicht darauf, ihren Einfluss auf der Insel zu verlieren, und mit Wohlwollen blickt sie auf den Zuzug von Türken dort, deren Status wiederum aus griechisch-zypriotischer Sicht problematisch ist. Ein EU-Pass ist jedenfalls für die türkischen Siedler nicht einfach zu erlangen; er soll den türkischen Zyprioten vorbehalten bleiben.

In der Zwischenzeit ist aus dem Zwei-Staaten-Konzept mehr als nur Theorie geworden. Beide Inselteile haben ihre jeweiligen behördlichen und staatlichen Strukturen, ihre eigenen Bildungs- und Handelssysteme aufgebaut. Der Süden und der Norden haben sich immer mehr auseinander entwickelt. Einander wieder näher gekommen sind die zwei Seiten auch in Genf nicht.