Italien bemüht sich in Sachen Einwanderungspolitik um die Wiederbelebung des Malta-Abkommens vom September 2019. Diesbezüglich seien Gespräche mit Frankreich und Deutschland im Gange, sagte der italienische Premierminister Mario Draghi laut Medienangaben vom Donnerstag. Italien setze sich für den Schutz von Menschen ein. "Niemand soll in italienischen Gewässern allein gelassen werden", so Draghi.

Zugleich werde sich Italien für die Heimführung von Migranten einsetzen, die kein Recht auf Verbleib hätten. Die italienische Regierung sei bemüht, Rückführungsabkommen mit Herkunftsländern der Migranten abzuschließen.

Am 23. September 2019 einigten sich Deutschland, Frankreich, Italien und Malta auf ein Verfahren zur Seenotrettung im zentralen Mittelmeer. Schiffe mit geretteten Migranten sollten nicht mehr tage- und wochenlang auf dem offenen Meer warten müssen, ehe ihnen Häfen zugewiesen wurden. Italien und Malta hatten von den anderen EU-Staaten jeweils Zusagen gefordert, ihnen die Menschen abzunehmen. Der Malta-Deal war für sechs Monate - also bis März 2020 - angelegt. Derzeit ruht das vereinbarte Verfahren aufgrund des Coronavirus, doch Italien will das Abkommen jetzt angesichts der verstärkten Zahl von Ankünften auf Lampedusa wiederbeleben. Auf der kleinen italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa kommen seit einigen Tagen wieder deutlich mehr Bootsmigranten vor allem aus Libyen und Tunesien an - innerhalb kurzer Zeit waren es mehr als 2000.

Zwischen 23. September 2019 und 27. Februar 2020 wurden nach Angaben der EU-Kommission 3.015 Menschen von NGOs gerettet. Fast alle gingen in Italien an Land, nur 80 in Malta. Zusätzlich rettete die maltesische Armee rund 1.750 Menschen, die zunächst nach Malta kamen. An der Verteilung der Menschen beteiligten sich der Kommission zufolge neben den Staaten des Abkommens Portugal, Luxemburg, Irland, Spanien, Litauen, Rumänien und Slowenien. (apa)