Die erzwungene Landung einer Linienmaschine in Minsk, die am Sonntag die Verhaftung eines Bloggers ermöglichte, erinnert an eine gescheiterte Operation des ukrainischen Militärgeheimdiensts. Dieser hatte 2020 geplant, russische Söldner derart während eines Flugs von Minsk nach Istanbul in der Ukraine verhaften zu können. Nach Widerstand von Präsident Wolodymyr Selenskyj scheiterte dieses Vorhaben jedoch.

Unter Vorspielung von Jobmöglichkkeiten in Venezuela hatte der ukrainische Militärgeheimdienst im vergangenen Juli knapp dreißig russische Söldner mit ostukrainischer Kriegsvergangenheit nach Minsk gelockt. Von hier aus hätten sie nach Istanbul fliegen sollen, ihr Linienflug jedoch in der Ukraine zur Landung gebracht und die Söldner dort verhaftet werden sollen. Die Rede war auch von mitfliegenden Agenten, die die Durchführung der Operation sicherstellen hätten sollen.

Obwohl sich die Russen bereits in Minsk befanden, verzögerte sich ihr Abflug nach Istanbul durch den Widerstand von Präsident Selenskyj und seines engsten Umfelds. Die Pläne scheiterten gänzlich nach der Verhaftung der Söldner durch den weißrussischen Geheimdienst KGB, der ihre Präsenz fälschlicherweise zunächst mit russischen Umsturzplänen in Weißrussland (Belarus) in Verbindung brachte.

Mit etwas Verzögerung wurde jedoch bekannt, dass die Russen von ukrainischen Geheimdiensten nach Weißrussland gelockt worden waren. In Kiew sorgten in Folge Spekulationen, dass das informierte engste Umfeld Selenskyjs die geplante Operation an russische oder weißrussische Geheimdienste verraten habe könnte, für heftige innenpolitische Diskussionen. Mit Spannung wird in Kiew ein Dokumentarfilm der Rechercheplattform "Bellingcat" erwartet, der sich mit der Causa beschäftigen wird.

Abgesehen von dieser gescheiterten ukrainischen Operation weckt der Vorgang in Minsk aber auch Reminiszenzen an die erstaunliche Zwischenlandung des Flugzeugs von Boliviens Präsident Evo Morales 2013 in Österreich. Nachdem das Gerücht aufgekommen war, dass sich der US-amerikanische Ex-Geheimdienstler und Whistleblower Edward Snowden an Bord befinden könnte, war der aus Moskau nach La Paz fliegende Jet im Juli 2013 in Wien-Schwechat gelandet - offiziell wegen des Entzugs von Überflugrechten für Portugal und Frankreich. Der von den USA gesuchte Snowden befand sich damals jedoch nicht an Bord, stellte auch die Schwechater Flughafenpolizei im Rahmen einer "Nachschau" fest. Morales, der am Flughafen auch von Bundespräsident Heinz Fischer besucht wurde, flog schließlich nach einem 13-stündigen Aufenthalt in Österreich in seine Heimat weiter. (apa)