Der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer schützt auch Kinder zwischen zwölf und 15 Jahren sicher vor einer Covid-19-Erkrankung. Das zeigen jetzt veröffentlichte Daten, die bereits Grundlage für die Notfall-Zulassung des Impfstoffs in den USA in dieser Altersgruppe waren und die der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zur Zulassungsprüfung vorliegen. In der Studie trat demnach bei mehr als 1.000 geimpften Kindern und Jugendlichen kein Covid-19-Fall auf. In der etwa gleich großen, ungeimpften Kontrollgruppe waren es 16 Fälle.

Die EMA will am heutigen Freitag über die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren entscheiden, es wird mit einem Ja der Behörde gerechnet. In Österreich dürfte dann das Nationale Impfgremium (NIG) einer entsprechenden Empfehlung folgen. Es sei "wichtig, dass wir so bald wie möglich auch die Kinder und damit weitere Teile der Gesellschaft durch eine Covid-19-Impfung schützen", so Albrecht Prieler, Kinderarzt und NIG-Mitglied in einer Aussendung.

Infektiosität darf nicht unterschätzt werden

"Auch wenn es nach den bisherigen Daten so aussieht, als ob Covid-19 bei Kindern meist milder verläuft, bleibt ein Restrisiko für einen schweren Verlauf", betonte Prieler. Auch die Infektiosität sei vermutlich geringer als bei Erwachsenen, dennoch dürfe sie nicht unterschätzt werden. "Ohne die Kinder zu impfen, wird es auch nie möglich sein, eine Herdenimmunität zu erreichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein geimpfter Jugendlicher andere im Freundes- oder Familienkreis ansteckt, ist deutlich vermindert", so der Impfreferent der Ärztekammer Burgenland.

Die Hersteller, die bereits zugelassene Covid-19-Impfstoffe haben, sind nun dabei, das Alter der Probanden in den Studien sukzessive zu senken. Von Biontech/Pfizer wurde eine Zulassung für Zwölf- bis 15-Jährige bei der EMA beantragt, schon jetzt darf ab 16 Jahren mit dem Impfstoff geimpft werden.

Auch Moderna hat eine Studie mit Teenagern zwischen zwölf und 17 Jahren abgeschlossen, erste Ergebnisse zeigen eine sehr gute Wirksamkeit. Die europäische Zulassung für diese Gruppe wird voraussichtlich im Juni beantragt. Eine Phase-III-Studie mit Kindern zwischen sechs Monaten und zwölf Jahren hat Moderna ebenfalls gestartet, eine andere mit Kindern ähnlichen Alters läuft bei Biontech/Pfizer.

AstraZeneca und die Universität Oxford haben ebenfalls eine Studie bei Kindern und Jugendlichen für ihren gemeinsamen Impfstoff initiiert. Die Studienteilnehmer sind zwischen sechs und 17 Jahre alt. Der Pharmakonzern Johnson & Johnson ist mit einer Studie bei Jugendlichen zwischen zwölf und 17 im Planungsstadium. "Wichtig ist, dass wir, wenn entsprechende Daten für Sicherheit und Wirksamkeit vorliegen, rasch auch Jugendliche und Kinder impfen können. Günstig wäre noch vor Schulbeginn im Herbst, denn geimpfte Jugendliche und Kinder können nach einem K1-Kontakt weiter die Schule besuchen. Nur so werden wir diese Pandemie endgültig in den Griff bekommen", betonte Prieler.

Studienplätze für geimpfte Kinder

Weltärztepräsident Frank-Ulrich Montgomery hat sich zuletzt allerdings dagegen ausgesprochen, Minderjährigen eine Corona-Impfung zu empfehlen: "Gegenwärtig gibt es noch zu wenig Daten, die Aussagen über das Risiko der Corona-Impfung bei Kindern zulassen." Es sei aber bekannt, dass der Krankheitsverlauf bei Kindern deutlich geringer und weniger gefährlich sei als bei Erwachsenen oder Betagten.

In den USA lässt man sich unterdessen einiges einfallen, um Impfen für Kinder attraktiv zu machen: Im US-Bundesstaat New York würden unter allen 12- bis 17-Jährigen, die mindestens eine Impf-Dosis erhalten haben und von ihren Eltern registriert werden, 50 kostenlose Studienplätze verlost, teilte Gouverneur Andrew Cuomo am Mittwoch mit.

Es handle sich um Studienplätze an öffentlichen Universitäten im Bundesstaat New York, inklusive Studiengebühren, Büchern und anderem benötigten Material sowie Zimmer und Verpflegung - ein Gesamtwert von jeweils mehreren zehntausend Dollar.

Zuvor hatte der Bundesstaat unter anderem auch schon eine Geld-Lotterie als Impf-Anreiz eingerichtet. Von anderen Institutionen und privaten Unternehmen gibt es zudem beispielsweise kostenlose Donuts, Pommes, U-Bahn-Karten oder Eintrittskarten für Museen und Sportveranstaltungen.