Chefredakteur Walter Hämmerle in Diskussion mit Beate Littig, Soziologin, Institut für Höhere Studien; Theresia Vogel, Geschäftsführerin Klima- und Energiefonds und Christoph Drexel, Unternehmer und Buchautor (v.l.n.r.). - © WZ Screenshot
Chefredakteur Walter Hämmerle in Diskussion mit Beate Littig, Soziologin, Institut für Höhere Studien; Theresia Vogel, Geschäftsführerin Klima- und Energiefonds und Christoph Drexel, Unternehmer und Buchautor (v.l.n.r.). - © WZ Screenshot

Saubere Luft, klares Wasser, intakte Natur, nachhaltige Wirtschaft, schadstofffreie Produktion, grüne Städte, glückliche Menschen. In 30 Jahren soll eine ökonomische Revolution, der europäische Grüne Deal, diese Ziele möglich machen.

Was noch vor wenigen Jahren "Phantastereien" von Außenseitern waren, scheint jetzt in der politischen Mitte angekommen. Gefragt ist ein demokratischer Wandel mit einer Vielzahl von Reformen, sozialen Innovationen und Verhaltensänderungen vom ganz Großen bis ins Kleinste der individuellen Lebensbereiche. Unsere Gesellschaften sollen sich aus sich selbst heraus neu erfinden und umgestalten – und das sowohl wirksam als auch friedlich und gerecht.

Chefredakteur Walter Hämmerle mit Soziologin Beate Littig vom Institut für Höhere Studien. - © WZ Screenshot
Chefredakteur Walter Hämmerle mit Soziologin Beate Littig vom Institut für Höhere Studien. - © WZ Screenshot

Was wird nun in einem klimaneutralen Österreich anders sein? Wie werden wir leben und wo zeigen sich bereits Vorboten der Zukunft? Wird unsere Wirtschaft andere Waren und Dienstleistungen anbieten und welche Chancen tun sich hier für das Exportland Österreich auf?

Und wie verhindern wir, dass der Green Deal die finanziellen Belastungen und die Ausgrenzung der Ärmsten noch mehr verstärkt und so die Demokratie schwächt?

Das diskutierten Christoph Drexel, Unternehmer, Buchautor; Beate Littig, Soziologin, Institut für Höhere Studien; Theresia Vogel, Geschäftsführerin Klima- und Energiefonds mit Walter Hämmerle, Chefredakteur Wiener Zeitung.

"Nur ein beschränkter Anteil der Bevölkerung ist empfänglich", sagte Drexel, wenn es um Maßnahmen geht, die zum Klimaschutz beitragen. Er schätzt, dass fünf bis zehn Prozent einen Teil der gesellschaftlichen Verantwortung aus freien Stücken übernimmt.

Doch, auch, wenn das nur ein kleiner Teil der Bevölkerung sei, so könne dieser die restlichen Menschen mitreißen. Für Drexel geht es dabei um die lustvolle Rettung der Welt: Gesündere Ernährung, mehr Bewegung, kein Stress mit Interkontinental-Flügen. "Den restlichen Menschen zeigen wir dann, wie toll es ist mit dem E-Auto oder mit dem Rad zu fahren", sagt er.

Die Frage bleibt jedoch, wie wir mit den Verlierern der grünen Transformation umgehen. Bereits in den vergangenen Dekaden wuchs die Ungleichheit, das müsse reduziert werden. Ein Mittel wäre die CO2-Steuer. "Wohlhabende sollen mehr zahlen", schlägt er vor. "Das Geld wird dann aber zu gleichen Teilen an alle ausgeschüttet."

Eine Mischung aus Verboten und Anreizen

Es müsse eine Mischung aus Verboten, Anreizen und Kostenwahrheit sein, damit Umweltschutz auch tatsächlich umgesetzt wird, sagt Beate Littig, Soziologin am Institut für Höhere Studien. Die Maßnahmen sollten bestenfalls nicht national, sondern global abgestimmt werden, damit nicht Greenwashing auf Kosten von anderen betrieben werde. Sie gibt jedoch zu bedenken, dass der Trend gerade in die andere Richtung geht. "Mit der Corona-Krise kam die Rückkehr zur Nationalstaatlichkeit", sagt sie.

Littig kritisiert auch das System der freien Marktwirtschaft. "Der Ressourcenverbrauch konnte nicht vom Wirtschaftswachstum entkoppelt werden. Das schaffte uns eine Reihe von Problemen." Es müsse diskutiert werden, welche Bereiche wachsen sollten und welche nicht. Pflege, Gesundheit und Bildung seien Bereiche, die wachsen sollten.

Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds zeigt sich optimistischer als ihr Podiumskollege Christoph Drexel. Demnach seien 25 bis 30 Prozent daran interessiert, sich für Umweltschutz einzubringen. "Menschen wollen Genuss ohne Reue", sagt sie.

Wichtig sei nun das Bereitstellen von genügend Information, wie man umweltschonend leben könnte. Auch vielen Unternehmen attestiert sie eine Hilflosigkeit beim nachhaltigen Umrüsten. "Sie wissen nicht, wie sie sich nachhaltig umstellen sollen.

Begrüßung: Monika Sommer, Direktorin Haus der Geschichte; Martin Fleischhacker, Geschäftsführer Wiener Zeitung; Günther Ogris, Geschäftsführer SORA Institut.

Die Diskussion zum Nachsehen: