Es gab schon bessere Stimmung vor Parteitagen: Bei nur 7 Prozent liegt die deutsche Linkspartei in Umfragen, wenn die Genossen am Wochenende - Corona-bedingt digital - zusammentreffen. Damit wären sie nach jetzigem Stand die mit Abstand kleinste Fraktion im Bundestag, der Ende September neu gewählt wird; hinter der konservativen Union, Grünen, SPD, FDP und AfD.

Das angepeilte zweistellige Ergebnis ist für die Linkspartei derzeit illusorisch. Sie profitiert auch nicht von der Schwäche der Sozialdemokraten, die bei nur 14 Prozent rangieren und mit den Liberalen um Platz drei kämpfen. Die weitaus größte Kraft im Mitte-links-Lager sind die Grünen. Von einer Mehrheit sind die drei Parteien jedoch deutlich entfernt.

Inhaltlich bestehen bei Rot-Rot-Grün insbesondere in der Außen- und Sicherheitspolitik große Differenzen. So wird die Auflösung der Nato im Entwurf des linken Wahlprogramms gefordert, über das die Delegierten am Wochenende abstimmen. Auslandseinsätze der Bundeswehr lehnt die Partei demnach kategorisch ab. Und ein ähnlich Russland-freundlicher Kurs wie bei der Linken findet sich unter Deutschlands Parlamentsparteien nur am rechten Rand, bei der AfD. Im Linken-Programmentwurf wird kritisiert, Russland - wie auch China - würden in Strategiepapieren von Nato und EU "als Feindbilder beschrieben, das lehnen wir ab". Dafür stellten führende Linke gewagte Thesen zur wahrscheinlich von staatlichen russischen Stellen angeordneten Vergiftung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny auf. Der Vorgang nutze "vor allem den USA", unkte der frühere Parteichef Klaus Ernst. "Da müsste der Putin absolut dämlich sein", schloss Gregor Gysi eine Drahtzieherschaft des russischen Präsidenten aus.

Wirbel um Wagenknecht

Gleichzeitig zählt der außenpolitische Sprecher zu jenem Teil der Linkspartei, der eine Regierungsbeteiligung prinzipiell anstrebt. So auch die beiden Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl, Dietmar Bartsch und Janine Wissler; Letztere gehörte bis 2020 dem innerparteilichen trotzkistischen Netzwerk "Marx21" an.

Die anderen Parteien ignorieren die Linke derzeit weitgehend, dafür herrscht innerparteilich wieder einmal Streit um Sahra Wagenknecht (Bild). Gegen sie läuft ein Parteiausschlussverfahren. Anlass ist ihr Buch "Die Selbstgerechten", Wagenknecht kritisiert darin die Dominanz identitätspolitischer Fragen gegenüber wirtschaftlichen Grundsatzdebatten. Sie ortet "Selbstgerechtigkeit und Intoleranz" in Teilen der eigenen Partei.