"Man hätte schon viel früher anerkennen müssen." Noch Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung Sloweniens und Kroatiens 1991 unterstrich der frühere österreichische Außenminister Alois Mock seine Position. Der 2017 verstorbene ÖVP-Politiker und sein damaliger Amtskollege Hans-Dietrich Genscher waren vehemente Verfechter der Unabhängigkeit der beiden jugoslawischen Teilrepubliken. Deutschland erkannte Slowenien und Kroatien denn auch schon im Dezember 1991 an, wenige Wochen vor einer Anerkennung durch die übrigen Staaten der damaligen Europäischen Gemeinschaft - und durch Österreich. Erst im April 1992 folgten etwa die USA.

Die Unterstützung aus Berlin und Wien wurde in Ljubljana und Zagreb durchaus geschätzt. Zumindest das katholisch dominierte Kroatien konnte jedenfalls stets mit viel Wohlwollen seitens der von der ÖVP geprägten österreichischen Außenpolitik rechnen. Innenpolitisch war dies aber nicht unumstritten. Die Volkspartei wäre schon im Juni 1991 zur Anerkennung der beiden Republiken bereit gewesen, erinnerte sich der nur zwei Tage nach den Unabhängigkeitserklärungen zum ÖVP-Obmann gewählte Erhard Busek in einem Interview mit der Austria Presseagentur anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der zwei Staaten. Die Volkspartei sei darüber hinaus der Meinung gewesen, dass Österreich Slowenien und Kroatien auch alleine anerkennen könne. Gescheitert sei dies aber an der SPÖ unter Bundeskanzler Franz Vranitzky, die einen Alleingang immer ablehnte und nur mit einer Gruppe anderer Staaten handeln wollte.

Wirtschaftliches Engagement

Dennoch: Die Unterstützung für die Region war nicht zuletzt im Eigeninteresse Österreichs. Stärker als so manch anderes Land musste es um die Stabilität in seiner unmittelbaren Nachbarschaft besorgt sein. Und bis heute wird die Wichtigkeit dessen betont - wenn etwa sich Wien dafür einsetzt, die EU-Annäherung der weiteren ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken zu beschleunigen.

Auch wirtschaftlich engagiert sich Österreich in Südosteuropa. In den Staaten des Westbalkan ist das Land - hinter den Niederlanden und der Schweiz - drittgrößter Auslandsinvestor. Auch die Verknüpfungen mit Slowenien und Kroatien sind eng. In Slowenien machten 2019 Direktinvestitionen aus Österreich etwa ein Viertel der ausländischen Investitionen aus. Hunderte Niederlassungen haben österreichische Firmen im Nachbarland errichtet.

Nach Angaben des Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) liegt Slowenien aktuell bei 70 Prozent des österreichischen Wirtschaftsniveaus, in Kroatien sind es 51 Prozent. Seit 2007 ist Slowenien Mitglied der Eurozone.

In wenigen Tagen, am 1. Juli, übernimmt das Land von Portugal für ein halbes Jahr den EU-Ratsvorsitz - zum zweiten Mal seit seinem EU-Beitritt 2004. Zuvor aber wird noch der Jahrestag der Unabhängigkeit begangen. Für den morgigen Freitag ist ein Festakt in Ljubljana angesetzt, zu dem auch der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz erwartet wird. (apa/czar)