In groß angelegten Korruptionsermittlungen in der kroatischen Hauptstadt Zagreb sind in den vergangenen zwei Tagen mehrere Personen, darunter Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Geschäftsleute, festgenommen worden. Alle Korruptionsfälle haben laut kroatischen Medien einen gemeinsamen Punkt: sie sollen mit dem Ende Februar plötzlich verstorbenen langjährigen Bürgermeister Milan Bandic verbunden gewesen sein.

Bei der Aktion der Korruptionsstaatsanwaltschaft (USKOK) wurden insgesamt 18 Personen festgenommen, für sechs Personen wurde die U-Haft verhängt. Darunter befinden sich der Generaldirektor des öffentlich-rechtlichen Rundfunks HRT, Kazimir Bacic, und der langjähriger Fahrer des Bürgermeisters, Zdravko Krajina, sowie Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Unternehmer. Die Ermittlungen erstrecken sich in fünf verschiedene Richtungen, in allen Fällen wird wegen des Verdachts auf Bestechung und Amtsmissbrauch ermittelt.

In die Fälle war den Berichten zufolge auch der Langzeitbürgermeister verwickelt. So soll Bandic über den HRT-Chef mit 50.000 Euro bestochen worden sein, um einem nun mitverdächtigten Unternehmer bei Genehmigungen für Legalisierung und Umsetzung von dessen Immobilienprojekten zu helfen. In einem weiteren Fall, bei dem es um die seit Jahren umstrittene Vergabe von Ständen auf dem Zagreber Weihnachtsmarkt handelt, sollen sich Bandic, sein langjähriger Fahrer und noch ein weiterer Unternehmer zwischen 2016 und 2020 mindestens fünf Millionen Kuna (rund 670.000 Euro) an Provisionen untereinander aufgeteilt haben, berichteten die Medien.

Dubiose Vergabeverfahren

Die Vergabe von lukrativen Verkaufsständen in der Zagreber Innenstadt, die der Unternehmer von der Stadt gemietet und sie deutlich teurerer weitervermietet hat, stand wegen Intransparenz seit Jahren in Kritik.

Die zweitägige Aktion von USKOK ist eine Folge von monatelangen geheimen Ermittlungen, in deren Fokus der verstorbene Bürgermeister stand. Laut informellen Informationen sollen die festgenommenen Akteure maßgeblich durch das Abhören von Bandic belastet worden sein. Die Ermittler sollen die Wanzen auch in seinem Dienstwagen platziert haben, berichteten die Medien.

Bandic, der vor seinem plötzlichen Tod durch einen Herzinfarkt die Hauptstadt in den letzten 21 Jahren fast ununterbrochen regierte, hat zahlreiche Skandale und Anzeigen wegen Amtsmissbrauchs, Günstlingswirtschaft und Veruntreuung unbeschadet überstanden. Zwei Mal musste er in Untersuchungshaft. In nur zwei Affären kam es zu Gerichtsprozessen: in einem wurde er 2018 in erster Instanz freigesprochen, der zweite Prozess wurde vor seinem Tod noch nicht beendet.