In Deutschland soll es, anders als in Frankreich oder Italien, auch künftig keine Corona-Impfpflicht geben. Das haben Kanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn am Dienstag in Berlin mitgeteilt.

"Wir haben nicht die Absicht, diesen Weg zu gehen wie Frankreich", sagte Merkel bei ihrem Besuch des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin mit Verweis auf das Nachbarland, wo für bestimmte Berufsgruppen eine Impfpflicht eingeführt wurde.

"Wir können Vertrauen gewinnen, indem wir für das Impfen werben. Die Impfbereitschaft ist sehr, sehr hoch", so Merkel. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn betonte, dass es keine Impfpflicht geben werde. Er sprach aber von einem "Impfgebot". US-Präsident Joe Biden habe das Impfen als patriotische Pflicht bezeichnet. Damit habe er Recht, sagte Spahn.

Die Kanzlerin, der Gesundheitsminister und RKI-Präsident Lothar Wieler betonten, dass man mit einer Corona-Impfung nicht nur sich selbst, sondern auch andere schütze. Auch der RKI-Präsident sprach sich gegen eine Impfpflicht aus.

Deutschlands Impftempo verlangsamt sich

In Deutschland waren bis Montag nach Angaben der Bundesregierung 58,7 Prozent mindestens einmal geimpft worden. 43 Prozent seien vollständig geimpft. Spahn beklagte aber ein zurückgehendes Impftempo. "Es gibt keine Entschuldigung mehr, denn Impfstoff steht ausreichend zur Verfügung", sagte er. Das RKI hatte vorgerechnet, dass man für die über 90-Jährigen eine Impfquote von 90 Prozent brauche, da sei man mit 84 Prozent auf gutem Wege. Die Impfquote der zwölf- bis 59-Jährigen müsse bei mehr als 85 Prozent liegen.

Impfpflicht für Gesundheitspersonal in Frankreich

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte am Montagabend eine Impfpflicht für Personal im Gesundheitsbereich verkündet. Bis Mitte September haben Angestellte in Krankenhäusern und Pflegeheimen nun Zeit, sich impfen zu lassen. Laut Gesundheitsminister Olivier Véran dürfen Ungeimpfte danach nicht mehr arbeiten und werden nicht mehr bezahlt. (apa/reuters/dpa)