Nizza. Zum fünften Mal jährt sich am heutigen Mittwoch der terroristische Anschlag von Nizza. In der Nacht des französischen Nationalfeiertags raste der in Frankreich lebende Tunesier Mohamed Lahouaiej-Bouhlel in eine Menschenmenge. 30.000 hatten sich an der Promenade des Anglais, der sieben Kilometer langen Uferpromenade, versammelt, um das traditionelle Feuerwerk zu betrachten. Um ungefähr 22:45 Uhr fuhr der Attentäter dann auf die nur für Fußgänger vorgesehene Flaniermeile auf, tötete 86 Menschen und verletzte über 400 weitere. Seine Fahrt endete nach rund zwei Kilometern damit, dass die Polizei ihn erschoss.

Die Hintergründe der Tat sind auch fünf Jahre später noch nicht ganz klar, es deutet allerdings einiges darauf hin, dass sich der Täter selbst radikalisiert hat. Er habe sich vor dem Anschlag immer wieder gewaltdarstellende, islamistische Propagandavideos angeschaut, so die Behörden. Der Islamische Staat (IS) reklamierte zwar die Tat für sich, bisher konnten die Ermittler aber auch hier keine Beweise für eine Verbindung finden.

Gedenken im kleinen Rahmen

Der Anschlag traf dabei eine bereits stark vom Terror geplagte Nation und verunsicherte Bevölkerung. War es doch die dritte islamistisch motivierte Tat mit etlichen Toten und Verletzten innerhalb von eineinhalb Jahren. Bereits im Jahr 2015 wurde Frankreich Opfer zweier großer Terroranschläge. Im Jänner stürmten zwei Männer das Büro der Zeitschrift Charlie Hebdo und töteten zwölf Menschen und im November kam es zu einer ganzen Serie von Anschlägen in Paris, die sich gegen Besucher des Bataclan-Theaters und einiger Cafés und Restaurants richteten.

Obwohl das Attentat von Nizza die Aktion eines Einzelnen war, so gab es doch ein Umfeld, das Lahouaiej-Bouhlel bei der Tat unterstützt haben soll. Drei dieser Personen hält die französische Justiz für Komplizen und will sie wegen "Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe" anklagen. Am 5. September 2022 soll der Prozess starten, dabei werden auch noch fünf weitere Beschuldigte angeklagt. Allerdings wegen anderer Vergehen im Zusammenhang mit der Tat, da ihnen kein konkretes Wissen über die Anschlagspläne nachgewiesen werden konnte. Den drei Hauptangeklagten drohen lebenslange Haftstrafen.

Normalerweise wird der heutige Nationalfeiertag, der den Sturm auf die Bastille 1789 feiert, typischerweise ausgelassen und fröhlich zelebriert, doch wie schon zum fünften Mal schwingt dieses Mal ein trauernde Note mit. Der amtierende Premierminister Jean Castex wird zu der Gedenkfeier in die Stadt an der Cote d’Azur fahren.

In privater Atmosphäre soll in den Gärten der Villa Massena eine kleine Gedenkveranstaltung für die Angehörigen der Opfer stattfinden. Weiters wird es am Abend ein öffentliches Konzert des Poetryslammers "Grand Corps Malade" geben. Der Chor "AnimaNice chorale de la ville de Nice" und der elfjährige Ilan, ein Teilnehmer von "The Voice Kids", übernehmen am Ende des Konzerts die Aufführung von Calogeros Lied "Feux d’artifice". Im Anschluss daran werden noch 86 Säulen der Flaniermeile beleuchtet, um der 86 Verstorbenen zu gedenken. Die Gedenkfeier erfüllt dabei eine Forderung des letzten Premierministers Edouard Philippe, er sagte 2017: "Wir müssen es in das kollektive Gedächtnis eingravieren, in das Gedächtnis der gesamten Nation."