Der CDU-Politiker Kurt Biedenkopf, früher Ministerpräsident des ostdeutschen Bundeslandes Sachsen, ist tot. Er sei am Donnerstagabend im Alter von 91 Jahren friedlich im Kreis seiner Familie gestorben, teilte die Dresdner Staatskanzlei am Freitag mit. Biedenkopf war der erste Ministerpräsident Sachsens nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Der amtierende Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) würdigte den Verstorbenen als "großen Sachsen".

Reaktionen aus der Politik

Kretschmer erklärte, Biedenkopf habe das Fundament für eine erfolgreiche Entwicklung Sachsens gelegt. Er sei der mit Abstand beliebteste Politiker des neuen Freistaats gewesen, wie der dreimalige Gewinn der absoluten Mehrheit bei Landtagswahlen gezeigt habe. "Mit großer Dankbarkeit sehen wir auf das Lebenswerk einer der großen deutschen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts", erklärte Kretschmer.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb in einem Kondolenzschreiben an Biedenkopfs Witwe Ingrid Biedenkopf: "Zusammen mit vielen Menschen in unserem Land blicke ich in diesen Stunden dankbar auf seine großen Verdienste um das Zusammenwachsen von Ost und West." Biedenkopf habe Politik und Wissenschaft in beeindruckender Weise zu verbinden gewusst. "Als Modernisierer hat er die Volkspartei CDU und die Reformfähigkeit Deutschlands gestärkt." Biedenkopf sei ein "Symbol der inneren Einheit" gewesen.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte, mit Biedenkopf verliere "unser Land einen seiner klügsten politischen Köpfe, einen weitsichtigen Gestalter und charismatischen Christdemokraten". Er sei ein "Solitär" in der deutschen Politik gewesen, in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gleichermaßen zu Hause. Schäuble verwies dabei darauf, dass Biedenkopf bereits in den 70er Jahren eine Reform des Pensionssystems eingemahnt habe und in den 80er Jahren für die ökologische Erneuerung der Marktwirtschaft eingetreten sei.

CDU-Chef Armin Laschet würdigte den Verstorbenen als Ausnahmepolitiker, als "Staatsmann und Landesvater im besten Sinne". "Er hat sich um unser Land verdient gemacht", sagte Laschet. Dabei hob der CDU-Vorsitzende hervor, dass Biedenkopf "einer der klügsten Köpfe der deutschen Politik" gewesen sei - mit scharfem Verstand, mit Herzlichkeit und Leidenschaft.

Zwölf Jahre Ministerpräsident

 

Biedenkopf war der erste sächsische Ministerpräsident nach der Wiedervereinigung und regierte das Bundesland von 1990 bis 2002. Davor war er in seiner politischen Laufbahn CDU-Generalsekretär, Bundestagsabgeordneter und Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen. "Wir werden sein Wirken nie vergessen und danken ihm für alles, was er für Sachsen, für Deutschland und Europa getan hat", sagte Laschet.