Berlin. Die Umfragewerte bröckeln, doch der CDU-Vorsitzende Armin Laschet sieht keinen Anlass für einen Verzicht auf seine Kanzlerkandidatur für die deutsche Bundestagswahl am 26. September: "CDU und CSU haben klar entschieden", so Laschet zuletzt bei einem Wahlkampftermin in Oldenburg auf die Frage, ob er erwäge, zugunsten des bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chefs Markus Söder zurückzuziehen.

Laut Forsa-Umfrage holen die Sozialdemokraten in der Gunst der Wähler auf, die Meinungsforscher sehen die SPD an den Grünen vorbeiziehen und dicht an die Union aus CDU und CSU heranrücken. Die Sozialdemokraten um Kanzlerkandidat Olaf Scholz gewinnen im RTL/ntv-Trendbarometer gegenüber der Vorwoche zwei Prozentpunkte hinzu und liegen mit 21 Prozent nur noch zwei Punkte hinter der Union, die bei 23 Prozent verharrt. Die Grünen mit ihrer Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock verlieren einen Punkt und rangieren nun bei 19 Prozent.

Sieht die Union auf dem Holzweg: Markus Söder. - © afp / Mang
Sieht die Union auf dem Holzweg: Markus Söder. - © afp / Mang

CSU-Chef und Laschet-Konkurrent Markus Söder selbst schlägt angesichts der schlechten Umfragewerte Alarm. Bei einer Präsidiumssitzung der CSU sprach er von einem Trend, der "dramatisch" sei. Es sei nicht sicher, wie es weitergehe, meinte Söder. Es bestehe nach der Wahl tatsächlich die Gefahr einer Ampel-Koalition (SPD, FDP und Grüne) oder eines Linksbündnisses.

Laschet gibt sich unterdessen weiter unbeeindruckt: "Ich kommentiere keine guten Umfragen und keine schlechten Umfragen, ich bin im Wahlkampf", befand der Kanzlerkandidat. "Ich habe Respekt vor den Wählern, die am 26. September eine Richtungsentscheidung für Deutschland fällen." Laschet hatte sich in einem kurzen, aber harten Kampf um die Kanzlerkandidatur der Union - also dem Verbund aus CDU und ihrer bayerischen Schwesterpartei CSU - gegen Söder durchgesetzt, obwohl dieser damals schon bessere Umfragewerte hatte.

Laschet verharrt im Stimmungstief

In der Forsa-Umfrage sagte ein Viertel der Befragten, die derzeit nicht CDU oder CSU wählen wollen, sie würden bei einem Kandidaten Söder doch für die Union stimmen. Wenn nur die Hälfte dieser Wähler ihre Ankündigung wahr machte, käme die Union auf 33 Prozent, rechnete das Institut vor.

Olaf Scholz sieht jetzt die Chance, die SPD aus ihrem Langzeit-Tief zu befreien. Er zeigte sich erfreut über steigende Umfragewerte für ihn und die SPD: "Ein Aufbruch ist möglich für unser Land. Wir können eine Regierung bekommen, die die Zukunftsaufgaben anpackt."

Könnte der oder die Kanzlerin direkt gewählt werden, könnte Scholz laut Umfragen mit 29 Prozent rechnen. Für Laschet würden laut dem Forschungsinstitut Insa 15 Prozent stimmen, für Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock 13 Prozent. 30 Prozent gaben an, sie würden keinen der drei Kandidaten wählen wollen.(red.)