Vier Wochen vor der Bundestagswahl haben sich die drei Kanzlerkandidaten in einem ersten Triell Kontroversen um die Klimapolitik, Afghanistan und das Verhältnis zur Linkspartei geliefert. Dabei gab es am Sonntagabend aber kaum persönliche Angriffe von Armin Laschet (CDU/CSU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock. Die Frage der RTL-Moderatoren, was der oder die jeweils andere als Kanzler nicht könne, wollte keiner der Kandidaten beantworten. Dies sei nicht der passende Stil in diesem Wahlkampf, sagten alle unisono. Munter wurde die Diskussion gegen Ende der 110 Minuten vor allem bei der Frage, ob SPD und Grüne mit der Linkspartei koalieren würden. In einer Blitzumfrage gaben 36 Prozent der Befragten an, Scholz habe das Triell gewonnen.

In der umstrittenen Frage der Außenpolitik kritisierten Baerbock und Scholz zwar die Haltung der Linkspartei etwa zur Nato, wollten eine Koalition aber explizit nicht ausschließen. Scholz sagte, diese Themen müsse am Ende jeder für sich selbst beantworten. Laschet grätschte in diesem Moment ein und sagte: "Das ist jetzt nicht Ihr Ernst, Herr Scholz, Sie können jetzt nicht spielen wie Angela Merkel und reden wie Saskia Esken." Ein Bekenntnis zur Nato sei von der Linken nicht zu erwarten. Nicht nachvollziehbar sei auch die ablehnende Haltung der Partei beim Mandat für die Bundeswehr zur Evakuierung in Afghanistan. Er verstehe nicht, warum ein klares Bekenntnis gegen eine Koalition mit der Linkspartei so schwer sei. "Ich kann das sagen, wir werden mit denen nicht koalieren, und ich will, dass die AfD aus den Parlamenten verschwindet", sagte Laschet.

Laschet kritisiert Bundesregierung

Mit Blick auf die Lage in Afghanistan übte Laschet scharfe Kritik auch an der Bundesregierung. Die Entwicklung sei "ein Desaster", für den Westen insgesamt, aber auch für die Bundesregierung. Er bekräftigte seinen Vorschlag, einen Sicherheitsrat mit den relevanten Ministerien im Bundeskanzleramt zu bilden, der dann schnell entscheiden könne. Zudem müsse Europa militärisch derart gestärkt werden, dass es einen Flughafen ohne Hilfe der USA sichern könne. Auch die Bundeswehr müsse dafür besser ausgestattet werden, etwa mit bewaffneten Drohnen, was die SPD ablehne. Auch Baerbock kritisierte die Bundesregierung. Sie habe sich weggeduckt. Scholz sagte, die Bundeswehr habe in der Zeit einer schwarz-gelben Regierung zu wenig Geld bekommen. Unter ihm habe es den "größten Aufwuchs" gegeben.

Baerbock für Solarpflicht auf allen Dächern

Beim Thema Klima warf Baerbock ihren Kontrahenten zu wenig Ambitionen vor. "Wir haben nicht nur Sturzfluten." Es müsse jetzt gehandelt werden: erneuerbare Energien deutlich ausbauen, Solarpflicht für alle Dächer, den Kohleausstieg deutlich vorziehen und ein Ende von Verbrennermotoren ab 2030. Laschet warf Baerbock dagegen ein industriefeindliches Vorgehen vor. "Sie legen der Industrie Fesseln an und sagen, dann lauf mal schneller." Das einzige, was die Grünen konkret vorschlügen, seien Verbote und Vorschriften wie eine Pflicht zur Installation von Solarpanelen auf Dächern.

In der Coronavirus-Pandemie schlossen alle drei Kandidaten einen erneuten Lockdown aus. Scholz verwies auf die relativ hohe Impfquote in Deutschland und betonte, ein Lockdown komme für ihn "nicht in Betracht". Normalität wie früher werde es aber noch nicht geben. Vorsichtsmaßnahmen seien weiter angebracht. Alle drei Kandidaten sprachen sich dafür aus, vorerst weiterhin an der Maskenpflich etwa im öffentlichen Nahverkehr festzuhalten. Laschet wies den Vorwurf eines Schlingerkurses zurück. Er habe immer versucht, auf unterschiedliche Infektionsgeschehen jeweils eine passende Antwort gegeben. Neben dem Gesundheitsschutz seien auch andere Faktoren wie etwa das Kindeswohl bedeutsam.

Laschet klar zurück

In einer Blitzumfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa für RTL gaben 36 Prozent an, Scholz habe das Triell gewonnen. 30 Prozent sahen Baerbock vorne und 25 Laschet. Einen sympatischen Auftritt bescheinigten 38 Prozent dem SPD-Kandidaten, 37 Prozent attestierten dies Baerbock und 22 Prozent Laschet. CSU-Chef Markus Söder schrieb auf Twitter: "Starker Auftritt und klarer Sieg von Armin Laschet".

Einer aktuellen Umfrage zufolge hält der Höhenflug der SPD an, während die Union weiter an Rückhalt verliert. Im Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut INSA für "Bild am Sonntag" erhebt, gewinnen die Sozialdemokraten zwei Prozentpunkte im Vergleich zur Vorwoche hinzu und kommen nun auf 24 Prozent - das höchste Ergebnis im Sonntagstrend seit September 2017. Die Union hingegen verliert einen Punkt und kommt auf 21 Prozent. Das ist der niedrigste Wert, den INSA jemals für die Union gemessen hat.

Die Grünen bleiben in der Umfrage stabil bei 17 Prozent, die FDP kommt weiter auf 13 Prozent. AfD (elf Prozent) und Linke (sechs Prozent) verlieren jeweils einen Punkt. Die sonstigen Parteien würden acht Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. Damit wären fünf Dreierbündnisse möglich: Vier mit einem Kanzler Olaf Scholz (SPD) und eines mit einem Kanzler Armin Laschet (CDU). Die SPD hätte im Bundestag Mehrheiten mit einem Ampel-Bündnis (SPD, Grüne, FDP), einer Deutschland-Koalition (SPD, CDU/CSU, FDP), einer Kenia-Koalition (SPD, CDU/CSU, Grüne) und einem rot-rot-grünen Bündnis (SPD, Grüne, Linke). Die Union könnte nur mit einem Jamaika-Bündnis (CDU/CSU, Grüne, FDP) die eigene Kanzlerschaft retten.

CSU-Chef Markus Söder warnte vor einem Linksrutsch in Deutschland nach der Bundestagswahl und zeigte sich zugleich im ARD-Sommerinterview überzeugt, dass die Union die Wahl am 26. September gewinnen könne. Mit Blick auf die Trielle der Kanzlerkandidaten äußerte Söder die Hoffnung, "dass das die Trendwende bringt". Dies werde Laschet die Möglichkeit geben, inhaltlich zu punkten. "Er kann Kanzler, und er wird auch Deutschland gut führen", sagte Söder über den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten. Bei einem Linksbündnis sei klar, dass Deutschland "einen anderen Weg nehmen wird, aus meiner Sicht einen falschen". Ein Linksruck mit Rot-Rot-Grün oder ein "halber" Linksruck mit einer Ampel aus SPD, Grünen und FDP würde Deutschland schaden.