Mit großer Spannung erwarten Ungarn und die Slowakei den Besuch von Papst Franziskus. Kommenden Sonntag soll der Pontifex die Abschlussmesse des 52. Internationalen Eucharistischen Kongresses (IEK) in Budapest lesen. Zuvor gibt es ein kurzes Treffen mit dem ungarischen Premier Viktor Orban und Staatspräsident Janos Ader im Museum der Schönen Künste. Dann reist der Papst in die Slowakei weiter, wo er bis Mittwoch bleiben wird.

Franziskus kommt zunächst nach Budapest, am Dienstag besucht er ein Roma-Ghetto im Osten der Slowakei. 
- © afp / Tiziana Fabi

Franziskus kommt zunächst nach Budapest, am Dienstag besucht er ein Roma-Ghetto im Osten der Slowakei.

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Der bisher letzte Kongress fand vor fünf Jahren in Cebu auf den Philippinen statt. Coronabedingt musste der bereits für September 2020 geplante 52. IEK um ein Jahr verschoben werden. Während des Kongresses, zu dem Gäste aus fünf Kontinenten erwartet werden, gibt es ein breites Angebot an spirituellen und kulturellen Veranstaltungen, wie Gottesdienste, Anbetungen, Konzerte, historische Stadtführungen und Familienprogramme. Eine Ausstellung soll an den 34. Eucharistischen Kongress erinnern, der im Mai 1938 ebenfalls in Budapest stattfand.

"Reine Gerüchte"

Der Papst will kreuz und quer durch die Slowakei reisen. - © afp / Fabi
Der Papst will kreuz und quer durch die Slowakei reisen. - © afp / Fabi

Die Vorgeschichte des Besuchs war in Ungarn allerdings nicht ganz frei von politischen Reibereien. Bereits länger wurde spekuliert, dem argentinischen Papst, der öfter zur christlichen Zuwendung gegenüber Migranten aufruft, sei Orbans restriktive Flüchtlingspolitik ein Dorn im Auge. Darauf wurde auch zurückgeführt, warum Franziskus in Budapest nur einige Stunden, in der Slowakei jedoch mehrere Tage verbringt.

Dies gipfelte im von einem katholischen US-Portal Anfang Juni gestreuten Gerücht, der Pontifex würde sich weigern, in Budapest die Repräsentanten des ungarischen Staates zu treffen. Die Nachricht rief umgehend heftige Kritik am Papst seitens einiger ungarischer Kommentatoren, die der Regierungspartei Fidesz nahestehen, hervor.

Letztlich musste die ungarische Bischofskonferenz ausdrücklich die Geschichte geraderücken und darauf hinweisen, dass sehr wohl ein Höflichkeitstreffen mit den höchsten Amtsträgern des Landes geplant sei.

Der Budapester Erzbischof Kardinal Peter Erdö bemüht sich, Spannungen beiseite zu wischen, und betonte dazu kürzlich: "Die Gemeinschaft der katholischen Gläubigen erwartet die Ankunft des Heiligen Vaters mit großer Freude und Liebe." Ursache für die Unstimmigkeiten rund um den Papstbesuch sei lediglich "eine Verbreitung von Fehlinformationen und falschen Interpretationen in lokalen und internationalen Medien", hieß es in einer Mitteilung der Bischofskonferenz.

Neben der Papstmesse auf dem Budapester Heldenplatz und dem Treffen mit Orban, Ader und den ungarischen Bischöfen geht sich für Franziskus in Ungarn noch eine Begegnung mit Vertretern anderer christlicher Konfessionen und der jüdischen Gemeinde aus. Am selben Tag fliegt Franziskus schon zur Nachmittagszeit weiter in die Slowakei, wo er die restlichen Reisetage verbringen wird.

"Es wird halt sehr viel spekuliert", meinte Bernhard Kollmann, österreichischer Priester und seit einigen Jahren Seelsorger der deutschsprachigen Auslandsgemeinde St. Elisabeth in Budapest, zu den Hintergründen des Kurzprogramms von Franziskus. Er selbst sehe das Ganze "ein bisschen entspannter", sagte er im Gespräch mit Kathpress. Der Papst sei nicht mehr der Jüngste, und es gelte eben zwischen einem ausdrücklich pastoralen Besuch und einer offiziellen politischen Visite zu unterscheiden. "Manche haben beide Schwerpunkte, manche eben nur einen."

Gedämpftes Interesse

Ziel des Weltkongresses ist es, das Verständnis und die Verehrung des Sakraments der Heiligen Eucharistie in der Orts- und Weltkirche zu fördern. Politische Erwägungen müssen da hintanstehen, so die Haltung des Papstes. Schaden kann dies aus kirchlicher Sicht gewiss nicht. Vor allem der Westen Ungarns ist traditionell katholisch geprägt, doch schwindet der gesellschaftliche Einfluss der Kirche zusehends. Von den 9,7 Millionen Einwohnern des Landes bezeichnen sich nur mehr rund 40 Prozent als Katholiken - in der Zwischenkriegszeit lag dieser Anteil noch bei zwei Dritteln, mit der in vielen Teilen Ostungarns traditionell stark verankerten reformierten (calvinistischen) Kirche an zweiter Stelle. Ähnliches gilt - in deutlich milderer Form - für die benachbarte Slowakei. Die Katholiken bilden in dem 5,5-Millionen-Einwohner-Staat mit einem Anteil von etwa zwei Dritteln jedoch immer noch eine klare Mehrheit.

Doch dort gibt es ebenfalls Probleme, die den Besuch aus Rom überschatten. Die Regierung von Ministerpräsident Eduard Heger ist wegen ihrer restriktiven Corona-Politik stark umstritten. Unlängst kam es vor dem Parlament zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und wütenden Demonstranten, die ihre Grundrechte einforderten. Nicht zuletzt die Kirche steht den vielfältigen Einschränkungen kritisch gegenüber.

Angesichts der bisher niedrigen Anmeldezahlen für den Papstbesuch in der Slowakei hat die Bischofskonferenz des Landes wenige Tage vor Beginn des Besuches den zugelassenen Besucherkreis erweitert. Nicht mehr nur vollständig geimpfte Personen können an den Treffen mit Franziskus teilnehmen, sondern auch solche, die von Covid-19 genesen sind oder einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen, teilte die Bischofskonferenz mit.

Nachdem sich bis Mitte vorletzter Woche erst 33.000 Personen zu den öffentlichen Auftritten von Franziskus registrieren ließen, riefen die Bischöfe des Landes die Katholiken in einem Hirtenbrief zu einer aktiven Teilnahme an dem Papstbesuch auf. Zugleich räumte ein Sprecher ein, die Resonanz sei bisher niedriger als erwartet.

Im Dreiländereck

In der Slowakei ist nicht nur die Impfquote gering; auch Franziskus, seine Art und Politik stoßen bei vielen Gläubigen des Landes auf eine gewisse Skepsis.

Franziskus lässt sich von lokalen Vorbehalten bekanntlich nicht beeindrucken. Er bereist das gesamte Land, von Bratislava im Westen bis zu den ostslowakischen Städten Presov und Kosice im Osten. Den Schlusspunkt am Mittwoch bildet das nationale Marienheiligtum in Sastin unweit des Dreiländerecks Österreich-Tschechien-Slowakei. Dass der Papst am Dienstag in Presov die Messe im byzantinischen Ritus feiert, ist auch eine Reverenz an die griechisch-katholischen Gläubigen des Landes. Die Stadt ist der Sitz des griechisch-katholischen Erzeparchen (Erzbischofs).

Ein typisch "franziskanischer" Programmpunkt wird sein Auftritt bei der Roma-Minderheit im ostslowakischen Kosice ebenfalls am Dienstag sein.

Mit Spannung wird erwartet, welche Worte der 84-Jährige inmitten des sozialen Brennpunkts Lunik IX, eines berüchtigten Stadtteils von Kosice, wählt, der am äußersten Rand der EU liegt. Ein weiterer Appell für mehr "Geschwisterlichkeit" - oder ein neuer Ansatz, um Europa ins Gewissen zu reden? In jedem Fall hat sich der Papst einen herausfordernden Terminplan auferlegt: zehn Ansprachen in drei Tagen. Dabei wird sich auch zeigen, ob er seine Darmoperation Anfang Juli wirklich gut verkraftet hat.