Die Zahlen sind jetzt schon dramatisch: Laut der UNO haben bereits 93 Prozent der Haushalte in Afghanistan nicht genug zu essen. Und die Situation dürfte in den kommenden Wochen eher schlimmer als besser werden. Denn die radikal-islamischen Taliban, die vor knapp einem Monat in Kabul einmarschiert sind, müssen nicht nur ihre Herrschaft konsolidieren, sondern auch den Nachschub an Waren und Lebensmitteln in vielen Bereichen erst wieder in Bewegung bringen.

Umso wichtiger wird daher in den nächsten Monaten die Hilfe aus dem Ausland sein. Am Montag hat es in Genf auch schon eine erste große Geberkonferenz gegeben, bei der die internationale Staatengemeinschaft sich nochmals zur Fortführung der Unterstützung für Afghanistan bekannt und auch schon finanzielle Zusagen konkretisiert hat. So haben die Geberländer zusammen mehr als eine Milliarde Dollar an Hilfe versprochen – die freilich vielfach an Bedingungen geknüpft ist. "Diese Konferenz hat meine Erwartungen voll erfüllt, was die Solidarität mit den Menschen in Afghanistan betrifft", sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres. Er bezeichnete die Zusagen als "Quantensprung. Vor Beginn der Konferenz hatten UNO-Hilfsorganisationen einen Finanzbedarf von knapp 600 Millionen Euro bis Dezember angemeldet, um den Hunger in Afghanistan zu bekämpfen und das öffentliche Leben vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

20 Millionen aus Österreich

Die österreichische Regierung hatte bereits vorige Woche 18 Millionen Euro Soforthilfe zur Bekämpfung der humanitären Krise beschlossen. Zehn Millionen Euro davon gehen an das UNO-Flüchtlingskommissariat UNHCR, fünf Millionen Euro an UN Women und 3 Millionen Euro an das UNO-Welternährungsprogramm. Nach Angaben eines Sprechers von Frauenministerin Raab vom Montag wird es auch noch zwei Millionen Euro zusätzlich "aus Mitteln der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (ADA)" geben, die über das Rote Kreuz der afghanischen Bevölkerung zugutekommen sollen. Insgesamt gibt Österreich somit 20 Millionen Euro.

"Solidarisch mit den Nachbarländern

Der deutsche Außenminister Heiko Maas versprach Afghanistan ebenfalls verstärkte humanitäre Hilfe. Von der Konferenz müsse die klare Botschaft ausgehen, dass man Afghanistan weiter helfe, sagte Maas in seiner Rede. "Und wir stehen solidarisch an der Seite der Länder, die von der Krise in Afghanistan betroffen sind - allen voran Pakistan, Iran und die zentralasiatischen Republiken." Deutschland wird laut Maas neben den 100 Millionen Euro humanitäre Hilfe weitere 500 Millionen für Afghanistan und die Nachbarländer bereitstellen. In der EU arbeite man zudem an einem Pakt mit den Nachbarstaaten, um diese zu stärken, sagte Maas in Anspielung auf erwartete Flüchtlingsbewegungen.