Kosice. Am dritten Tag seiner Slowakei-Reise besuchte Papst Franziskus am Dienstagnachmittag eine Roma-Wohnsiedlung in der zweitgrößten Stadt Kosice (Kaschau). In der für ihre schlechten Wohn- und Lebensverhältnisse bekannten Plattenbausiedlung Lunik IX leben zwischen 5.000 und 6.000 Menschen der Roma-Volksgruppe.

Der Papst kritisierte die Ausgrenzung der Roma in der Slowakei: "Man kann die Menschen nicht schematisieren. Um sie wirklich zu erkennen, muss man sie vor allem anerkennen", so das Kirchenoberhaupt. Und: "Ghettoisierung von Menschen bringt keine Lösung."

In der slowakischen Mehrheitsbevölkerung ist das nach einer Mondrakete benannte Viertel Lunik IX bekannt für desolate Wohnverhältnisse, Schmutz und soziale Not sowie die Abhängigkeit der meisten Bewohner von staatlichen Sozialleistungen. Die Häuser sind heruntergekommen, viele Familien leben auf engstem Raum.

Davor warnte Franziskus, das Kreuz als christliches Symbol für politische Zwecke zu missbrauchen. "Wir dürfen das Kreuz nicht auf einen Andachtsgegenstand reduzieren, geschweige denn auf ein politisches Symbol", so der Pontifex in seiner Predigt im slowakischen Presov.

Papst Franziskus blieb in Presov bei einem großen Gottesdienst mit 40.000 Menschen unbeirrt bei seinem Plädoyer für mehr "Geschwisterlichkeit" in allen gesellschaftlichen Fragen. Nur so lasse sich nach der Corona-Pandemie eine bessere, christlich-solidarische Zukunft gestalten, in der das Kreuz "im Herzen - und nicht nur um den Hals" getragen werde.