Im südschwedischen Malmö widmete sich heute ein internationales Forum dem Gedenken an den Holocaust und den Kampf gegen Antisemitismus. Auf Einladung des schwedischen Ministerpräsidenten Stefan Löfven kamen Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft aus über 40 Ländern zusammen. Für Österreich nahm Kanzleramtsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) teil.

Im Zentrum des Forums stand die Verständigung über aktive Schritte gegen Antisemitismus. Da es immer weniger Holocaust-Überlebende gibt, befasste man sich auch mit neuen Strategien zur Vermittlung des Holocaust. "Wir alle haben die Pflicht, gegen Antisemitismus aufzustehen. Mit dem Gedenken und aktiven Schritten gegen Antisemitismus stellen wir sicher, dass so etwas wie der Holocaust nie mehr passieren wird", so Löfven.

"Antisemitismus ist kein neues Phänomen - er ist seit Jahrhunderten wie ein Krebsgeschwür tief in unserer Gesellschaft verwurzelt", so Edtstadler. Gerade durch die Corona-Pandemie habe sich der Antisemitismus in den sozialen Medien weiter verschärft. Österreich sieht sie im Kampf gegen Antisemitismus als Vorreiter.

Österreichs Vertretung beim Malmö-Forum: Kanzleramtsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP). 
- © apa / HERBERT NEUBAUER

Österreichs Vertretung beim Malmö-Forum: Kanzleramtsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP).

- © apa / HERBERT NEUBAUER

Eine Pressekonferenz mit Stefan Löfven, der Holocaust-Überlebenden Dina Rajs und dem Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder rundete das Malmö-Forum ab.

Löfven erzählte hierbei von seinem eindrucksvollen Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz und betonte, dass "wir im Schatten des Holocaust leben". Die Gesellschaft müsse alles daran setzen, damit die Erinnerung nicht in Vergessenheit gerät.

Gerade Malmö ist für die Abhaltung des Forums prädestiniert. 1945 konnten im Rahmen einer Rettungsaktion unter dem schwedischen Diplomaten Folke Bernadotte ca. 15.000 Jüdinnen und Juden hierhin evakuiert werden. Zugleich ist der Antisemitismus in Malmö sehr präsent. Mit dem Forum trage die Stadt Verantwortung, so der schwedische Ministerpräsident.

Die in Jugoslawien geborene Zeitzeugin Dina Rajs überlebte den Holocaust unter falscher Identität in Budapest. Oft wurde sie von ungarischen Faschisten mit aufgesetzem Pistolenlauf verhört. Den Großteil ihrer Familie löschten sie aus. "Mein Mann und ich leben zwei Leben: Das eine im Hier und Jetzt und das andere in der Vergangenheit, den Horror erinnernd. Das Trauma ist unser unsichtbarer Rucksack."

Ronald S. Lauder sah im Malmö-Forum eine Kampfansage an den Antisemitismus. Dieser Kampf müsse vor allem mithilfe der Vereinten Nationen (UNO) auf allen Ebenen geführt werden. Speziell in den sozialen Medien und im Nahen Osten.

Das Malmö-Forum sollte eigentlich bereits im Oktober 2020 stattfinden, musste jedoch aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden. Unter den Rednern fanden sich unter anderem UNO-Generalsekretär Antonio Guterres, US-Außenminister Antony Blinken, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Auch der schwedische König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia nahmen teil. (masp/apa/dpa)