Eisenstadt. Schon vor einer Woche haben sich im Burgenland beim Aufgriff eines Flüchtlingstransporters fürchterliche Szenen abgespielt. Als die Polizei in Steinberg im Bezirk Oberpullendorf einen verdächtigen Kastenwagen stoppte, wurden 24 Flüchtlinge aus Syrien und Ägypten entdeckt. Als sich damals die Seitentür öffnete, fielen die in dem Wagen zusammengepferchten Menschen laut Augenzeugen teilweise mit dem Kopf voran aus dem Auto und rangen völlig entkräftet nach Luft. Alle Insassen überlebten die Fahrt, der Fahrer wurde verhaftet.

Nun haben es aber zwei Flüchtlinge aus Syrien nicht geschafft, zu überleben. Soldaten des Bundesheeres hatten die beiden Männer an der ungarischen Grenze bei Siegendorf in einem Klein-Lkw entdeckt. Die Todesursache der zwei Männer stand am Mittwoch noch nicht fest, die Leichen sollen obduziert werden.

In dem LKW befanden sich 27 weitere Syrer, die nun befragt werden. "Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Vielleicht ergeben sich aus den Angaben der Geschleppten interessante Hinweise", erklärte Polizeisprecher Herbert Marban.

"Tod in Kauf genommen"

Denn noch ist unklar, von wem die Syrer ins Land geschleppt wurden - der Fahrer befand sich Mittwoch Nachmittag noch auf der Flucht - und wie genau ihre Route war. Auf alle Fälle wirft der Fall einmal mehr ein Schlaglicht auf das Schlepperwesen. "Diese schreckliche Tat zeigt eines klar auf: Der Tod eines oder mehrerer Menschen wird von Schleppern bewusst in Kauf genommen", sagte Innenminister Karl Nehammer. Bereits 300 Schlepper wurden dieses Jahr festgenommen. Darüber hinaus wurden schon rund 30.000 Personen aufgegriffen, die rechtswidrig nach Österreich eingereist waren oder keine Aufenthaltsberechtigung hatten. Am stärksten betroffen mit mehr als 11.000 Aufgriffen ist dabei das Burgenland.

Dort haben die Schlepper ihre Strategie gewechselt, berichtete der Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität im Bundeskriminalamt, Gerald Tatzgern. Wegen der verstärkten Kontrollen, meiden sie nun den Weg aus Ungarn über die grüne Grenze. Die Schlepper würden die Flüchtlinge mittels Klein-Lkw und Vans nach Österreich bringen - und dies sei eine sehr gefährliche Methode. Die Fahrer würden dabei alle zu größeren Strukturen gehören, die das lukrative Geschäft kontrollieren.

Laut Berichten von Migrationsforschern und Kriminalisten verlangen Schlepperbanden mehrere tausend Dollar, um Menschen, etwa aus Afghanistan oder dem Nahen Osten nach Europa zu bringen. Die Netzwerke sind dabei weit gespannt: Zu ihnen zählen auch Leute, die auf der Route Unterkunft geben oder Kundschafter, die vor Polizeikontrollen warnen.

Laut dem Lagebericht zur Schlepperei aus dem Innenministerium, der das gesamte Jahr 2020 umfasst, hatten die verhafteten Schlepper verschiedenste Nationalitäten - von Österreichern über Syrer bis hin zu Rumänen. 91 Prozent von ihnen waren Männer - bei den geschleppten Flüchtlingen war der Männeranteil etwa genau so hoch.

Um den Schleppern entgegenzuwirken, setzen die Behörden auf internationale Zusammenarbeit. Politisch arbeitet die EU schon länger daran, über Kooperationen mit Transitländern Flüchtlinge in der Nähe ihrer Herkunftsregionen zu halten. Viele Menschenrechtsorganisationen sind indes überzeugt, dass die Schaffung legaler Einreisemöglichkeiten den Schleppern viel Boden abgraben würde.(apa/red.)