Im schwer von der Corona-Krise getroffenen Bulgarien wird am heutigen Sonntag zum dritten Mal in diesem Jahr ein neues Parlament gewählt. Die Abstimmung wurde notwendig, weil auch die erst im Juli gewählte Volksversammlung keine regierungsfähige Mehrheit zustande bringen konnte. Zudem sind in dem EU-Land 6,7 Millionen Stimmberechtigte aufgerufen, ein neues Staatsoberhaupt zu wählen. Insgesamt bewerben sich 23 Kandidaten. Amtsinhaber Rumen Radew gilt als Favorit.

GERB dürfte stärkste Kraft werden

Sollte keiner mehr als die Hälfte der Stimmen auf sich vereinigen, entscheidet eine Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten. Im künftigen Parlament könnte nach Umfragen die bürgerliche Partei GERB des im April abgewählten Regierungschefs Boiko Borissow stärkste Kraft werden. Ihr werden bis zu 24 Prozent vorhergesagt. Allerdings ist erneut fraglich, ob sie Koalitionspartner findet.

Die neue Anti-Korruptions-Partei "Wir führen den Wandel fort" (PP) kann nach den Umfragen mit bis zu 16 Prozent rechnen. Um sie herum könnte nach Einschätzung von Meinungsforschern eine reformorientierte Regierung entstehen.

Die PP ist ideologisch wenig festgelegt und wird von den politischen Neulingen Kiril Petkow (41) und Assen Wassilew (44) angeführt. Die beiden Harvard-Absolventen waren beliebte Minister in der Übergangsregierung und haben sich den Kampf gegen Korruption und Machtmissbrauch auf die Fahnen geschrieben. Petkow hat als Wirtschaftsminister Missstände bei der staatlichen Entwicklungsbank aufgedeckt, Wassilew forderte als Finanzminister bei großen Konzernen ausstehende Steuern ein. Beide wollen nun "mit konservativer Politik linkspolitische Ziele umsetzen", wie Petkow es bei der Parteigründung formuliert hatte.

Dem Sieger der letzten Wahl, dem Entertainer und Musiker Slawi Trifonow droht laut Umfragen hingegen ein herber Absturz, seine Partei "Es gibt so ein Volk" könnte zukünftig die kleinste Fraktion im Parlament stellen.