In den knapp 50 Kilometer von der oberösterreichischen Grenze entfernten Rottal-Inn-Klinken hat man den Endpunkt bereits in der vergangenen Woche erreicht. Weil in dem 275-Betten-Krankenhaus in Niederbayern die Versorgung der vielen Covid-19-Fälle nicht mehr möglich war, mussten bereits stationär aufgenommene Patienten mit insgesamt 19 Ambulanzfahrzeugen in Spitäler nach Nordbayern gebracht werden. Unter den 23 Personen, die im Rahmen des knapp fünfstündigen Transporteinsatzes verlegt wurden, befanden sich auch vier Intensivpatienten.

Drastische Schritte in Bayern

In vielen anderen Kliniken der von der vierten Corona-Welle besonders schwer getroffenen deutschen Bundesländer Bayern und Sachsen spitzt sich die Situation ebenfalls zu. "Die aktuelle Lage ist so dramatisch, wie sie noch nie in der gesamten Pandemie-Zeit in Bayern war", sagte der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, Roland Engehausen, zur "Augsburger Allgemeinen". "Wir haben schon jetzt kaum noch Kapazitäten."

Entsprechend hat auch die Politik zuletzt das Tempo in Bayern verschärft. Angesichts der Situation in den Krankenhäusern und einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 600 sollen nun alle Clubs, Diskotheken und Bars für drei Wochen schließen. Zudem wird es ab der kommenden Woche nochmals deutliche Verschärfungen für Ungeimpfte geben wie etwa Kontaktbeschränkungen bei privaten Treffen. "Wir müssen handeln", befand Ministerpräsident Markus Söder am Freitag. Schon jetzt gilt im Freistaat für Gaststätten und Hotels die 2G-Regel, womit nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt haben.

In anderen Landesteilen Deutschlands sieht die Lage trotz einer sich ebenfalls verschärfenden Dynamik derzeit aber noch deutlich besser aus als in Bayern oder in Sachsen. So gibt es im Westen der Bundesrepublik noch zahlreiche Landkreise, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz deutlich unter 200 liegt, in weiten Teilen Schleswig-Holsteins wurden in den vergangenen sieben Tagen sogar weniger als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner verzeichnet. In den Regionen mit deutlich geringerem Infektionsgeschehen ist allerdings auch die Impfquote deutlich höher als im Süden oder Osten.

Deutschland, das sich am Donnerstag weitreichende 3G-Regeln und automatische Verschärfungen in Richtung 2G bei einem weiteren Anstieg der Fallzahlen verordnet hat, repräsentiert mit dieser Zweigeteiltheit im Kleinen eine Entwicklung, die sich auch auf gesamteuropäischer Ebene wiederfindet. Denn nach wie vor macht sich der Impfvorsprung der Staaten im Westen und Süden auch ganz deutlich bei der Zahl der Neuinfektionen bemerkbar.

Lockdowns für Ungeimpfte

In Spanien, wo mehr als 80 Prozent der Bevölkerung zwei oder drei Mal geimpft sind, liegt die Sieben-Tages-Inzidenz derzeit bei 67, in Portugal, Frankreich und Italien, wo es ebenfalls sehr hohe Impfquoten gibt, werden Werte zwischen knapp unter 100 und 150 verzeichnet. Entsprechend locker sind in diesen Ländern auch noch die derzeitigen Corona-Regelungen. Zwar tragen die Menschen in Spanien und Portugal noch häufig freiwillig Masken, verschärfte Maßnahmen wie 2G oder gar eine allgemeine Impfpflicht stehen in den beiden Ländern jedoch nicht einmal zur Debatte.

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Am anderen Ende des Spektrums rangieren neben Österreich und den Regionen im Süden und Osten Deutschlands derzeit die mittel- und osteuropäischen Länder mit ihren noch einmal deutlich niedrigeren Impfquoten. So liegt etwa die Slowakei mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1.150 derzeit in Europa an der Spitze.

Ähnlich wie in Österreich versucht aber auch die Regierung in Bratislava gerade, eine Notbremsung hinzulegen. Ab Montag soll im ganzen Land ein Lockdown für Ungeimpfte in Kraft treten, womit in der Hotellerie, der Gastronomie und bei Veranstaltungen die 2G-Regel gilt. Zudem wird die bereits geltende 3G-Vorgabe am Arbeitsplatz in der Slowakei sehr strikt ausgelegt. Wenn Mitarbeiter, die nicht genesen oder geimpft sind, keinen gültigen Test vorweisen können, darf sie der Arbeitgeber ohne Entgeltfortzahlung nach Hause schicken.

Zur Gruppe der Spitzenreiter bei den Neuinfektionen gehört derzeit aber auch Slowenien. Premier Janez Jansa erwägt daher ebenfalls einen Lockdown für Ungeimpfte, wartet aber noch auf die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes. Erst vor kurzem hatte das Land wieder Kontaktbeschränkungen, eine heftig umstrittene Testpflicht an Schulen und Einschränkungen bei den Öffnungszeiten der Gastronomie beschlossen.(rs)