London. Der britische Premierminister Boris Johnson verliert politisch an Rückhalt. Berichten zufolge soll mindestens ein erster Misstrauensbrief eines Hinterbänklers der eigenen Partei bei dem zuständigen Komitee eingegangen sein. Das berichtete der britische "Telegraph" am Mittwoch unter Berufung auf Parteikreise. "Es wird nicht dazu kommen, dass 50 Briefe eingehen, die es (für ein Misstrauensvotum) brauchen würde, aber es löst Sorge aus", sagte die nichtgenannte Quelle dem regierungsnahen Blatt.

Ein weiterer Tory-Politiker gab an, "die üblichen Verdächtigen" hätten das Vertrauen in Johnson verloren und dies in entsprechenden Briefen ausgedrückt. Auch die "Sun" berichtete von mehreren Briefen, die eingegangen seien.

Der konservative britische Regierungschef ist in den vergangenen Wochen verstärkt unter Druck geraten. Vorwürfe der Korruption und Freunderlwirtschaft hatten die Tory-Partei in Verruf gebracht. Kritiker werfen Boris Johnson vor, nicht entschieden genug gegen den "Sleaze" - also Filz - vorzugehen. Zuletzt hatte eine völlig missglückte Rede vor einem führenden Industrieverband, bei der der Premierminister zeitweise völlig den Faden verlor, das Fass zum Überlaufen gebracht. Ein Sprecher der Downing Street beschwichtigte am Dienstag jedoch, Johnson gehe es gut und er habe die Lage im Griff.

Im Londoner Regierungsviertel Westminster wird spekuliert, ob in der Downing Street Nummer 11 - dem Machtzentrum von Finanzminister Rishi Sunak - derzeit gegen Johnson mobil gemacht werde. Bereits in den vergangenen Monaten hatten sich bei verschiedenen Themen Gräben zwischen dem Premier und seinem Schatzkanzler aufgetan. Zudem gilt der 41-jährige Sunak als Hoffnungsträger seiner Partei und möglicher Nachfolger Johnsons an deren Spitze. (APA/Reuters/dpa)