In Frankreich steigt der rechtsextreme Publizist Eric Zemmour in das Rennen um die Präsidentschaft im nächsten Jahr ein. "Es ist an der Zeit, Frankreich zu reformieren und zu retten. Deshalb habe ich beschlossen, für das Amt des Präsidenten zu kandidieren", sagt der 63-Jährige, in einer auf YouTube veröffentlichten Videobotschaft, die am Dienstag auch im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Der ehemalige Journalist, der für seine rigorose Anti-Migrationspolitik bekannt ist, hat mit seinem polarisierenden Auftreten und provokanten Äußerungen zur Einwanderung die Schlagzeilen der vergangenen Wochen dominiert. Er dürfte der größte Rivale der etablierteren Rechtspopulistin Marine Le Pen im Kampf um einen Einzug in die Stichwahl sein. Doch nach einem kometenhaften Aufstieg in den Meinungsumfragen, von denen mehrere ihm den Einzug in die Stichwahl voraussagten, hat seine Popularität zuletzt gelitten.

"Lange Zeit war ich mit der Rolle des Journalisten zufrieden ... aber ich vertraue nicht mehr darauf, dass ein Politiker den Mut haben wird, das Land vor dem tragischen Schicksal zu bewahren, das es erwartet", sagte Zemmour. "Wir müssen dem Volk die Macht zurückgeben, sie von den Minderheiten zurückholen, die die Mehrheit unterdrücken." Während in seinem Video Aufnahmen von Frauen mit Kopftüchern und farbige Männer in der Metro zu sehen waren, sagte der Rechtspopulist, der bereits wegen Volksverhetzung verurteilt wurde, an die Zuschauer gerichtet: "Ihr habt das Gefühl, nicht mehr in dem Land zu sein, das ihr einst kanntet ... ihr seid Fremde in eurem eigenen Land".

Seine scharfe Kritik am Islam und an der Einwanderung hat Zemmour sowohl Unterstützung aus der Wählerschaft der etablierten rechtsextremen Partei Rassemblement National von Le Pen als auch der konservativen Rechten gebracht, aber auch andere politische Lager gegen ihn aufgebracht. Die meisten Meinungsumfragen sagen eine Stichwahl zwischen dem amtierenden Präsidenten Emmanuel Macron und Le Pen im April voraus und sehen Macron als Favoriten. Zemmour hatte jedoch eine Zeit lang vor Le Pen gelegen, und einige Umfragen deuten auf ein enges Rennen um Platz zwei.

Allerdings musste Zemmour mit seiner Kampagne zuletzt Rückschläge und Pannen verkraften. Erst am Wochenende hatte er wieder angeeckt und für einen Eklat gesorgt. Nach einem turbulenten Wahlkampfauftritt in Marseille wurde Zemmour fotografiert, wie er einer Demonstrantin, die ihm den Mittelfinger zeigte, die gleiche beleidigende und obszöne Geste entgegnete. Ärger hatte die Reizfigur zuletzt auch mit dem Boulevardmagazin "Closer". Zemmour verklagte das Magazin, weil es behauptet hatte, seine wichtigsten politische Beraterin erwarte ein Kind von ihm. (reuters)