Die Wahl des italienischen Präsidenten tritt am Donnerstag in die entscheidende Phase ein. Um 11.00 Uhr beginnt die vierte Runde, in der erstmals die absolute Mehrheit von 505 Stimmen zur Wahl reicht. In den ersten drei Wahlgängen war eine Zwei-Drittel-Mehrheit im 1.009 Personen zählenden Gremium aus Abgeordneten, Senatoren und Regionalvertretern erforderlich gewesen. Die Parteien konnten sich bisher aber nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen.

Die Parteien führten am Mittwochabend intensive Konsultationen, um einen gemeinsamen Kandidaten zu finden. Laut Sozialdemokraten-Chef Enrico Letta könnte beim Wahlgang am Freitag ein neuer Präsident anstelle des seit sieben Jahren amtierenden Sergio Mattarella gewählt werden. Letta beklagte jedoch mangelnde Dialogbereitschaft seitens der Mitte-Rechts-Allianz, die im Parlament über die Stimmenmehrheit verfügt.

Nicht ausgeschlossen wird, dass ab dem neuen Wahlgang heute Regierungschef Mario Draghi als Präsident gehandelt werden könnte. Der 74-Jährige, der bisher bei der Präsidentschaftswahl noch nicht ins Spiel gebracht wurde, gilt als gut geeignet, um als Staatschef für Stabilität und gute Beziehungen zur EU zu sorgen. Allerdings wäre es im Fall von Draghis Wechsel zum Präsidenten schwierig, einen passenden Nachfolger im Premieramt zu finden, der eine heterogene Mehrparteienkoalition wie die aktuelle zusammenhalten könnte.

Der sozialistische Ex-Regierungschef und heutige Verfassungsrichter Giuliano Amato wird immer wieder als Kandidat genannt. Einige Chancen soll Beobachtern zufolge noch der Ex-Kammerpräsident Pierferdinando Casini haben. Der ehemalige Chef des Abgeordnetenhauses war früher am Mitte-Rechts-Bündnis des damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi beteiligt, sitzt aktuell aber für Mitte-Links im Senat und könnte daher lagerübergreifend Stimmen erhalten.

Die Fünf-Sterne-Bewegung, stärkste Einzelpartei im italienische Parlament, hat noch keinen eigenen Kandidaten vorgeschlagen. "Wir suchen nach einem parteiübergreifenden Präsidenten, wir arbeiten auf dieses Ziel hin", sagte Parteichef Giuseppe Conte. (apa)