Aus dem Abschied auf Raten ist ein Rückzug im Schnelldurchlauf geworden: Im Oktober kündigte AfD-Chef Jörg Meuthen an, dass er bei der nächsten Vorsitzwahl nicht wieder kandidiert. Am Freitag verkündete der 60-Jährige nicht nur, dass er sein Amt niedergelegt habe, sondern auch seinen Parteiaustritt. Teile der AfD stünden "nicht auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung". Dem EU-Abgeordneten setzte aber auch eine Spendenaffäre zu.

Mit dem immer stärker werdenden völkisch-nationalistischen Parteiflügel rechnete Meuthen ab: Er ortete "auch ganz klar totalitäre Anklänge" und sieht nationalsozialistische Anleihen" bei der Führungsfigur im Rechtsaußen-Lager, Björn Höcke.

Früheres Paktieren

Meuthens Rückzug ist der finale Schritt eines Abgrenzungsprozesses, der aber erst in den vergangenen beiden Jahren eingesetzt hat. Zuvor paktierte der seit 2015 amtierende Parteichef auch mit Rechtsaußen. Die Arbeitsteilung: Der Professor für Volkswirtschaftslehre sollte bei bürgerlich-konservativen Wählern punkten, die bei Asyl, Migration und Integration von CDU und CSU enttäuscht sind. Auch für wirtschaftliberale FDP-Anhänger sollte Meuthen eine Alternative sein. Rechtsaußen wiederum sollte das extremistische Potenzial – vor allem im Osten – heben. Und allesamt setzten sie auf bewusste Provokationen. Mitte-links gilt Meuthen als das "links-rot-grün-versiffte 68er-Deutschland".

Erst nachdem der Verfassungsschutz die parteiinterne Gruppierung "Der Flügel" als rechtsextrem einstufte, setzte sich Meuthen kritischer mit diesen Strömungen auseinander. Ex-"Flügel"-Mann Höcke wünschte Meuthen nun "die Zufriedenheit, die er in der Partei nicht finden konnte".

Vierter Ex-Chef verlässt Partei

Meuthen ist bereits der vierte Vorsitzende der erst seit 2013 existierenden AfD, der aus der Partei austritt. Die Gründungsmitglieder Bernd Lucke und Konrad Adam wandten sich ebenso ab wie Frauke Petry. Übrig bleiben die Radikalen.