Russland plant nach Angaben des britischen Verteidigungsministers Ben Wallace eine "nukleare strategische Übung". Details nannte er am Donnerstag nicht, ergänzte aber im Radiosender BBC unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse, dass Russland neben Cyberangriffen und anderen destabilisierenden Aktivitäten auch Täuschungsmanöver plane, um einen Vorwand für eine Invasion der Ukraine zu schaffen.

Trotz "des Geredes" sei die Fahrtrichtung falsch, kritisierte Wallace in Hinblick auf die diplomatischen Bemühungen zur Beilegung des Konflikts.

Diese werden dennoch fortgesetzt. So erklärte die britische Außenministerin Liz Truss bei einem Treffen mit ihrem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in Moskau: "Grundsätzlich wäre ein Krieg in der Ukraine katastrophal für das russische und ukrainische Volk und für die europäische Sicherheit." Die Nato habe deutlich gemacht, "dass jeder Einfall in die Ukraine massive Folgen haben und hohe Kosten davontragen würde". Lawrow erklärt kurz vor dem Treffen, Russland sei zu einer Normalisierung der Beziehungen zu Großbritannien bereit.

Die Hoffnung, diplomatische Gespräche aufrechtzuerhalten, äußerte auch der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian vor einer Zusammenkunft ranghoher Vertreter aus Frankreich, Deutschland, der Ukraine und Russland in Berlin. Doch sei die Lage äußerst besorgniserregend.

Der britische Premier Boris Johnson warnte gar vor einem "Krieg" in der Ukraine. "Ein Krieg wäre katastrophal und auch sinnlos, tragisch und würde sehr schnell wirtschaftlich teuer für Russland", sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel. Das müsse auch der Kreml einsehen. Stoltenberg sprach von einem "gefährlichen Moment für die europäische Sicherheit".

Ukraine reagiert mit eigenen Manövern

Ungeachtet der Sorgen des Westens hat in Weißrussland ein groß angelegtes Militärmanöver mit Russland begonnen. Das teilten die Verteidigungsministerien beider Länder am Donnerstag mit. Die russische Übung im Süden der Ex-Sowjetrepublik unweit zur Ukraine und im Westen an der EU-Außengrenze soll zehn Tage dauern. Auf fünf Truppenübungsplätzen solle etwa "die Unterdrückung und Abwehr äußerer Aggression" trainiert werden, teilte das Ministerium in Moskau mit.

Weitere Militärübungen sind laut Medienberichten im Schwarzen Meer geplant. Sechs russische Kriegsschiffe seien in der Nähe der Halbinsel Krim eingetroffen, meldete die Nachrichtenagentur Interfax.

Als Reaktion auf die russischen Übungen in Belarus will das ukrainische Militär nun mit einem eigenen zehntägigen Manöver beginnen. Dabei soll unter anderem der Umgang mit Drohnen geprobt werden sowie mit Raketen und Panzerabwehrwaffen, die von ausländischen Partnern geliefert wurden, wie Verteidigungsminister Oleksij Resnikow vor wenigen Tagen erklärte. Wie viele Soldaten beteiligt sind, war zunächst nicht bekannt.

"Eskalierende Aktion"

Die US-Regierung kritisierte die russischen Übungen nördlich der Ukraine als "eskalierende Aktion". Das Kabinett in Kiew und der Westen sehen einen Zusammenhang mit dem massiven russischen Truppenaufmarsch in der Nähe der Ostgrenze der Ukraine. Sie befürchten, dass Russland eine Invasion der Ukraine vorbereiten könnte. Moskau dementiert solche Absichten und fordert im Gegenzug Sicherheitsgarantien. Dabei geht es unter anderem um die Zusage, dass die Ukraine nicht dem westlichen Militärbündnis beitreten darf. Dies lehnt die Nato ab.

Dennoch hatten die Militärführungen in Minsk und Moskau immer wieder betont, die Truppenverlegung habe reinen Übungscharakter, sei für niemanden eine Bedrohung und stehe im Einklang mit internationalem Recht. Laut Kreml sollen die russischen Soldaten nach Ende der Übung wieder zu ihren Standorten zurückkehren. (reu/dpa/apa)