Es erinnert ein wenig an die immer weiter hochgekochte Kampagne gegen Dänemark, nachdem die Zeitung "Jyllands-Posten" dort im Jahr 2005 Karikaturen über den Propheten Mohammed veröffentlicht hatte. Soziale Medien, von denen einige mit gewalttätigen islamistischen Organisationen in Verbindung stehen, und arabische Sender verbreiten derzeit in großem Stil falsche Informationen über schwedische Sozialdienste. In den Beiträgen, die unter anderem zum Boykott Schwedens und schwedischer Waren aufrufen, wird nicht zuletzt behauptet, schwedischen Behörden würden muslimische Kinder entführen.

Untermalt wird dies teilweise mit rührenden Videos. So ist in einem Clip ein Vater zu sehen, der im schwedischen Februarschnee verzweifelt vor einem Sozialamt herumsteht. Er wolle seine Kinder zurück, die von den schwedischen Behörden entführt worden seien, ruft der Mann immer wieder. Dieses Narrativ wird auch schon seit längerem von islamischen Geistlichen bedient. "Wir erlauben es nicht dem schwedischen Staat, muslimische Kinder zu stehlen", predigt etwa der Malmöer Imam Basem Mahmoud immer wieder.

Medien überprüfen Fälle

Laut der staatlichen schwedischen Behörde für psychologische Verteidigung handelt es sich bei den aktuell kursierenden Videos um eine organisierte Kampagne zur Verbreitung von Fehlinformationen, die Schaden anrichten soll und derzeit über "arabischsprachige Kanäle mit Millionen von Anhängern" verbreitet wird. Dem öffentlich rechtlichen Rundfunk SVT zufolge fanden inzwischen auch schon erste Demonstrationen gegen Schweden statt.

Erstmals aufgeflammt ist die Kampagne, die mittlerweile eines der großen Nachrichtenthemen in Schweden ist, nach dem Jahreswechsel. In offenen Facebook-Gruppen berichten damals viele Nutzer, über ihre Erfahrungen mit den schwedischen Sozialdiensten und den Umgang der Behörden mit Kindern im Falle von Obsorgestreitigkeiten. Beklagt wurde dabei in vielen der Postings eine angebliche Willkürjustiz, zahlreiche Eltern behaupteten, die Sozialdienste und Verwaltungsgerichte hätten ihnen die Kinder quasi gestohlen.

Seit dem Jahreswechsel wuchs sich die Kampagne immer weiter aus, was dazu geführt hat, dass auch zahlreiche schwedische Medien auf das Thema aufgesprungen sind. So untersuchte das öffentlich rechtliche Fernsehen SVT drei der Fälle, in denen muslimischen Eltern das Sorgerecht für ihre Kinder zeitweise entzogen wurden. Die Redakteure analysierten dafür die behördlichen Dokumente und Urteilsbegründungen der verantwortlichen Sozialdienste und Verwaltungsgerichte. Die von den Eltern erhobenen Vorwürfe gegen die Behörden erhärteten sich im Zuge der Recherchen jedoch nicht. So hatten die Kinder in allen drei Fällen angegeben, Angst davor zu haben, ihre Eltern zu sehen, und dass sie selbst sowohl physischen als auch psychischen Übergriffen, unter anderem auch Missbrauch, durch ihre Eltern ausgesetzt waren.

Schützenhilfe bekamen die Eltern dagegen von der neu gegründeten rechtsliberalen Partei Nyans, der gute Chancen eingeräumt werden, bei den nächsten Wahlen die 4-Prozent-Hürde zu überspringen. Es gäbe viele Fälle, in denen das schwedische Sozialamt zu hart und schnell reagiere, erklärten mehrere Vertreter der neuen Partei.

"Interesse an der Spaltung"

Der Terrorismusforscher Magnus Ranstorp, der verfolgt hat, wie sich die Kampagne in den sozialen Medien verbreitet, ist jedenfalls nicht überrascht, dass auch islamistische Prediger damit begonnen haben, die Botschaften zu teilen. "Die Einmischung von Imamen in diese Angelegenheit ist ernst zu nehmen, denn diejenigen, die diese falschen Geschichten über die Zwangsbetreuung durch Sozialdienste verbreiten, beeinflussen die Wahrnehmung ihrer Gemeinde", sagt er dem Sender SVT.

Ranstrop ist zudem der Ansicht, dass die islamistischen Imame die Botschaften wiederholen, um einen Keil zwischen die Gemeindemitglieder und den Rest der Gesellschaft zu treiben. "Sie wollen ihre Gemeindemitglieder abkapseln und sie von der Säkularisierung fernhalten", sagt er. Da sei so eine Geschichte genau richtig. Der Terrorismusforscher geht folglich auch nicht davon aus, dass sich die Verbreitung von Fake News bald abschwächen wird. Um so wichtiger sei es daher, dass sich die Menschen in der Zivilgesellschaft engagierten, um herauszufinden, was wahr ist und was nicht. "Es ist sehr wichtig, dass Leute mit Insiderwissen erklären und aufklären. Das bedeutet nicht, dass sie sagen müssen, dass es keine Probleme gibt, aber sie können auch direkte Fehler in den Fakten korrigieren", sagt Ranstrop.