Istanbul. Ein Großteil der jungen Menschen in der Türkei wünscht sich einer Umfrage zufolge eine Zukunft im Ausland. Fast drei Viertel (72,9 Prozent) der befragten 18- bis 25-Jährigen würden die Türkei gern verlassen, wie aus einer am Dienstag von der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung veröffentlichten repräsentativen Umfrage hervorgeht.

Ein knappes Drittel würde am liebsten in europäischen Ländern wohnen, weil sie dort unter anderem bessere Arbeitsbedingungen, mehr Freiheiten und Menschenrechte sowie einen höheren Lebensstandard erwarten. Nur gut 27 Prozent der Befragten sagten, sie würden weiterhin in der Türkei leben wollen.

Politisch unzufrieden

Für Präsident Recep Tayyip Erdogan lässt die Umfrage nichts Gutes hoffen. Mehr als 80 Prozent der Befragten, von denen viele bei der kommenden Wahl erstmals an die Urne treten dürften, sagten, sie hätten kein Vertrauen in den Präsidenten. 62,5 Prozent sind allgemein unzufrieden mit der Führung des Landes. Die Politikverdrossenheit scheint hoch: Nur 3,7 Prozent vertrauen Politikern. Auch die klassischen Medien genießen kaum Ansehen: Lediglich 6,9 Prozent der Befragten gaben an, Zeitungs- und Fernsehjournalisten zu vertrauen. Als die drängendsten Probleme im Land nannten die Befragten die wirtschaftliche Situation, mangelnde Freiheit und Gerechtigkeit sowie ein schlechtes Bildungssystem.

Bei den türkischen Kommunalwahlen im Jahr 2019 waren gut 57 Millionen Menschen wahlberechtigt. Laut der regierungsnahen Denkfabrik Seta werden bei den nächsten Wahlen etwa fünf Millionen Erstwähler ihre Stimme abgeben.