Moskau/St. Petersburg. Obwohl vermutlich eine breite Mehrheit in Russland der Darstellung der Staatsmedien Glauben schenkt, bei dem Angriff auf die Ukraine handle es sich um eine Art Befreiungsaktion eines Brudervolkes aus der Hand US-höriger Faschisten, regt sich in dem Riesenreich nun auch Widerstand gegen die Politik von Präsident Wladimir Putin. Bei Protesten gegen den Krieg sind in Russland nach Angaben des UN-Menschenrechtsbüros fast 1.800 Menschen festgenommen worden, die meisten davon in der Hauptstadt Moskau und in der zweitgrößten Stadt Russlands, in Putins Heimatstadt St. Petersburg.

Die UNO prangerte die Festnahmen der Demonstranten an: "Die Festnahme von Menschen, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung oder friedliche Versammlung wahrnehmen, stellt eine willkürliche Freiheitsberaubung dar", sagte Ravina Shamdasani, die Sprecherin des UN-Menschenrechtsbüros, vor Journalisten in Genf. Sie forderte die russischen Behörden zur sofortigen Freilassung der Inhaftierten auf.

Die Behörden dürften der Aufforderung aber kaum Folge leisten. Sie haben Proteste gegen den russischen Einmarsch untersagt und Teilnehmern mit harten Strafen gedroht. In den Online-Netzwerken wurde dennoch zu Demonstrationen aufgerufen. Die größten Proteste fanden in Moskau und St. Petersburg statt. Die Polizei, die in Moskau mit einem Großaufgebot im Einsatz war, löste die Kundgebungen auf.

"Manöver des Kremls"

Die russische Oppositionsbewegung ist in den vergangenen zwei Jahren deutlich geschwächt worden. Die wichtigsten Anführer wurden - wie Putin-Gegner Alexej Nawalny - inhaftiert oder ins Exil getrieben. Nawalny hatte den russischen Einmarsch in die Ukraine am Donnerstag scharf kritisiert. "Ich bin gegen diesen Krieg", sagte er. Bei dem "Krieg zwischen Russland und der Ukraine" handle es sich um ein Manöver des Kremls, um von den innenpolitischen Problemen in Russland abzulenken.

Unterdessen haben vor den russischen Botschaften in Warschau und Paris am Donnerstag jeweils hunderte Menschen gegen den russischen Großangriff auf die Ukraine demonstriert. "Putin Mörder", "Stoppt den Krieg gegen die unabhängige Ukraine", "Warschau ist solidarisch mit der Ukraine" stand auf Schildern und Transparenten in der traditionell russlandkritischen polnischen Hauptstadt zu lesen. Die Demonstranten, unter ihnen auch zahlreiche in Polen lebende Ukrainer, schwenkten ukrainische, polnische und EU-Fahnen. Sie verurteilten den russischen Angriff und forderten eine geschlossene Reaktion des Westens.

Hitler-Vergleiche

Vor der russischen Botschaft in Paris skandierten die Demonstrantinnen und Demonstranten "Stoppt Putin, stoppt den Krieg". Auf einigen Plakaten war "Kein Krieg" oder "Putin Ukraine 2022, Hitler Polen 1939" zu lesen.

Vor dem Brandenburger Tor in Berlin protestierten rund hundert Menschen. Auch sie forderten auf Plakaten ein sofortiges Ende des russischen Angriffs. Auch in anderen Städten wie Brüssel, Den Haag sowie im südfranzösischen Nizza gingen Menschen auf die Straße. Und auch in Österreich gab es, etwa in Wien, Salzburg und Klagenfurt, Demonstrationen und Friedensgebete.(apa)