Die Slowakei ist Verteidigungsminister Jaroslav Nad zufolge bereit, unbegrenzt Flüchtlinge aus dem Nachbarland Ukraine aufzunehmen. Im Interview mit dem TV-Nachrichtensender TA3 sagte der konservative Politiker: "Das ist Krieg, und wir begegnen unserem ukrainischen Brudervolk, mit dem wir nie Probleme hatten, menschlich und verantwortungsvoll. Wenn Hunderttausende kommen, dann kümmern wir uns eben um Hunderttausende."

Nach Angaben des Innenministeriums in Bratislava waren von Donnerstag bis Sonntagmorgen 25.935 Menschen aus der Ukraine in die Slowakei gekommen. Staatspräsidentin Zuzana Caputova erklärte bei einem Besuch in Flüchtlingsaufnahme-Einrichtungen am slowakisch-ukrainischen Grenzübergang Ubla, der russische Präsident Wladimir Putin trage die volle Verantwortung für alle Opfer in der Ukraine. Für die Ukraine forderte sie eine EU-Beitrittsperspektive. Russland bedrohe nicht nur die territoriale Unversehrtheit der Ukraine, sondern auch die demokratischen Werte. "In diesem Sinne kämpft die Ukraine auch für uns und verdient sich dafür ein klares Aufnahmesignal", sagte Caputova.

Österreich "gewappnet"

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) hat ebenfalls die Aufnahmebereitschaft Österreichs von Flüchtenden aus der Ukraine bekräftigt, eine konkrete Zahl nannte er aber keine. Der Großteil der Menschen würde zunächst in die Nachbarländer fliehen, "aber natürlich sind wir auch gewappnet", sagte Karner am Sonntag vor einem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen in Brüssel.

"Ich bitte Sie, nicht über Quoten zu reden, sondern dass wir Menschen helfen, die vor dem Angriff Putins flüchten", antwortete Karner auf eine Journalistinnen-Frage nach verpflichtenden Quoten für die Verteilung von Flüchtlingen. "Österreich ist entsprechend vorbereitet und wird helfen, wo es notwendig ist."

Derzeit habe man in Österreich "ganz aktuell entsprechende Quartiere in Vorbereitung", sagte Karner mit Blick auf die Zusammenarbeit mit Bundesländern, Hilfsorganisationen und Gemeinden. Auch sei eine zentrale Anlaufstelle im Innenministerium für Menschen, die helfen wollen, eingerichtet. "Hilfe funktioniert dann am besten, wenn sie koordiniert ist."

Die Koordinierungsstelle könne über die E-Mail-Adresse nachbarschaftsquartier@bbu.gv.at der Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen erreicht werden. Das Innenministerium und die Bundesländer stünden in engem Austausch, um die notwendigen Maßnahmen zu koordinieren, sagte Karner. "In diese Planungen werden selbstverständlich auch die Blaulichtorganisationen und NGOs eingebunden."

Ukrainerinnen und Ukrainer dürften sich 90 Tage frei in Österreich aufhalten, betonte der Innenminister. Es seien überwiegend Frauen, junge und ältere Menschen auf der Flucht, und denen, "wollen und werden wir helfen".

Zehntausende demonstrieren in Tschechien

In mehreren Städten Tschechiens hat es am Sonntag friedliche Solidaritätskundgebungen für die Ukraine gegeben. Allein auf dem Wenzelsplatz in der Prager Innenstadt versammelten sich nach Einschätzung der Polizei rund 80.000 Menschen, um nach dem russischen Angriff auf die Ex-Sowjetrepublik für ein Ende des Krieges zu demonstrieren.

Auf dem Dominikanerplatz in Brünn waren es mehr als 5.000 Menschen, wie die Pressesprecherin des Stadtteils Mitte der Nachrichtenagentur CTK sagte. Die Demonstrierenden trugen ukrainische und tschechische Fahnen sowie Transparente mit Aufschriften wie "No War" und "Heute die Ukraine, morgen wir".

Unter den Rednern auf der Tribüne des historischen Wenzelsplatzes, an dem schon die großen Demonstrationen der Samtenen Revolution von 1989 stattgefunden hatten, waren auch der tschechische Ministerpräsident Petr Fiala und der ukrainische Botschafter in Prag. Fiala begrüßte, dass sich der Westen mittlerweile für Sanktionen entschieden habe, die "dem russischen Führer wehtun werden". Tschechien gehöre zu den Ländern, die sich um die strengsten Sanktionen gegen Russland bemühten, versicherte der liberal-konservative Politiker den Demonstranten.

Zuvor hatte die tschechische Regierung in einer Sondersitzung ihre der Ukraine zugesagten Waffenlieferungen um weitere 400 Millionen Kronen auf 580 Millionen Kronen (23,52 Mio. Euro) aufgestockt. Das gab Verteidigungsministerin Jana Cernochova am Sonntagmorgen bekannt. (apa)