Die Nato will ihre Ostflanke zur Abschreckung Russlands mit vier weiteren Gefechtsverbänden verstärken. Als Standorte für die neuen sogenannten Nato Battlegroups sind die Slowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien vorgesehen, sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch in Brüssel. Bestehende Battlegroups gibt es bereits in Estland, Lettland und Litauen sowie in Polen. China warf Stoltenberg vor, Russland im Ukraine-Krieg mit "Lügen" zu unterstützen.

Die Entscheidung zur Verdoppelung der Gefechtseinheiten würden die 30 Nato-Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel am Donnerstag treffen, sagte Stoltenberg. Der Nato-Generalsekretär forderte Russland zugleich auf, Drohungen mit dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen zu unterlassen. "Russland muss das nukleare Säbelrasseln stoppen. Ein Atomkrieg kann niemals gewonnen werden und sollte auch nicht geführt werden."

Nato-Generalsekretär könnte bleiben

Stoltenberg schloss eine Verlängerung seiner Amtszeit nicht aus. Gefragt, ob er dies angesichts des Krieges in der Ukraine in Betracht ziehe, sagte der Norweger: "Es ist Sache der Alliierten, dies zu entscheiden." Er konzentriere sich jetzt darauf, den Sondergipfel vorzubereiten. Stoltenbergs Amtszeit läuft regulär zum 30. September des Jahres aus. Der norwegische Politiker wollte danach eigentlich das Amt des Zentralbankchefs seines Landes übernehmen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird bei dem Nato-Gipfel am Donnerstag in Brüssel zugeschaltet sein, kündigte Stoltenberg an. Dabei schloss er erneut aus, dass die Nato eine Flugverbotszone in der Ukraine überwachen könnte. Auch ein Beitritt der Ukraine zu der Militärallianz stehe nicht auf der Tagesordnung. Die Unterstützung des Landes zur Selbstverteidigung stehe dagegen ganz oben auf der Nato-Agenda. Der Gipfel findet auf den Tag genau einen Monat nach Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine statt.

Die Battlegroups sind normalerweise etwa 1.000 Soldaten stark. Die Ausweitung der Präsenz bedeutet, dass künftig von der Ostsee im Norden bis zum Schwarzen Meer im Süden Nato-Truppen präsent sein werden. Zuletzt waren zur Verstärkung der Ostflanke bereits Kräfte der schnellen Nato-Einsatztruppe NRF in das ukrainische Nachbarland Rumänien verlegt worden. Die Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten hatten Russlands Angriff auf die Ukraine bereits als "seit Jahrzehnten schwerwiegendste Bedrohung für die euro-atlantische Sicherheit" bezeichnet. Nach Angaben Stoltenbergs wird auch erwogen, die Luftverteidigung und die Präsenz auf der See deutlich auszubauen. (apa, reu, dpa)