Die Beobachter des UN-Menschenrechtsteams in der Ukraine erhalten immer mehr Hinweise auf Massengräber in der eingekesselten Stadt Mariupol. In einem Grab sollen 200 Leichen liegen, sagt die Leiterin der Beobachtergruppe, Matilda Bogner, in einer Video-Schaltung mit Journalisten von der Ukraine aus. Einige Beweise fänden sich in Satelliten-Aufnahmen. Mehr als 1.035 Zivilisten seien bisher ums Leben gekommen.

Ihr Team untersuche mutmaßlich willkürliche Angriffe von beiden Seiten. Zudem würden Vorwürfe geprüft, wonach Zivilisten gegen ihren Willen aus der Stadt nach Russland gebracht wurden und russische Soldaten Zivilisten, die in Autos Mariupol verließen, getötet haben sollen.

Stadtverwaltung: Rund 300 Tote bei Angriff auf Theater

Indessen gab die Stadtverwaltung von Mariupol bekannt, dass bei dem russischen Angriff auf ein Theater in Mariupol im Südosten der Ukraine etwa 300 Menschen getötet worden sein könnten. Sie verwies zur Begründung auf Augenzeugenberichte. Konkrete Angaben zur Zahl der Opfer bei dem Luftangriff auf das Theater in Mariupol am Mittwoch vergangener Woche hat es bisher nicht gegeben.

In das Theater im Stadtzentrum hatten sich nach ukrainischen Angaben rund 1.000 Menschen aus Angst vor russischen Luftangriffen geflüchtet. "Bis zuletzt will man glauben, dass alle in Sicherheit sind", erklärte die Verwaltung von Mariupol auf Telegram. "Doch die Zeugenaussagen derjenigen, die sich zum Zeitpunkt dieses Terrorakts im Gebäude befanden, sagen das Gegenteil," heß es weiter. Demnach seien infolge des russischen Angriffs etwa 300 Menschen in dem Theater ums Leben gekommen.

Ein Berater des Bürgermeisters von Mariupol lehnte eine Stellungnahme auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AFP ab. Es gebe "wahrscheinlich bis heute Abend weitere Informationen", sagte der Berater. Vor einer Woche hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, dass mehr als 130 Menschen aus dem zerstörten Theater gerettet worden seien, aber "Hunderte" weiterhin unter Trümmern verschüttet seien.

Nach übereinstimmenden Angaben auch von Hilfsorganisationen hatten Hunderte Menschen im Keller des Gebäudes Schutz gesucht. Der Angriff hatte international Empörung ausgelöst. Nach ukrainischen Angaben hatte Russland das Theater bombardiert, obwohl vor beiden Seiten des Gebäudes gut sichtbar das Wort "Kinder" auf Russisch auf den Boden gemalt war. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. (apa, afp)