In Polen sind nach Angaben des Grenzschutzes seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine mehr als 2,3 Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland eingetroffen. Das teilte die Behörde am Montag bei Twitter mit. Allein am Sonntag waren es demnach rund 27.000 Menschen. Dies sei ein Rückgang um 13,3 Prozent im Vergleich zum Vortag. Aus Polen in die Ukraine hätten seit Kriegsbeginn am 24. Februar 352.000 Menschen die Grenze überquert.

Bei diesen Reisenden handelt es sich nach früheren Angaben des Grenzschutzes zum überwiegenden Teil um ukrainische Staatsbürger, die in ihr Heimatland zurückkehren. Viele Männer, aber auch Frauen, wollen sich dort den ukrainischen Truppen anschließen. Andere gehen zurück, um sich um Kinder oder hilfsbedürftige Angehörige zu kümmern.

272.338 Kriegsflüchtlinge in Deutschland, 35.000 in Österreich

Es gibt derzeit keine offiziellen Angaben dazu, wie viele der Kriegsflüchtlinge in Polen geblieben und wie viele bereits in andere EU-Staaten weitergereist sind. Im größten polnischen Nachbarland Deutschland wurden bisher 272.338 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine festgestellt, wie das deutsche Innenministerium am Montag mitteilte. Da es keine festen Grenzkontrollen gibt, dürfte die Zahl der Angekommenen aber deutlich höher liegen. Ähnlich in Österreich, wo bis inklusive Samstag 35.000 ukrainische Flüchtlinge registriert wurden.

Kein sicheres Herkunftsland

Die Ukraine wird am Mittwoch im Ministerrat als Folge der russischen Invasion von der Liste "sicherer Herkunftsstaaten" gestrichen. Diese hat in Asylverfahren eine gewisse Bedeutung: Bürger aus diesen Ländern haben kaum Aussicht auf einen Aufenthaltstitel als Flüchtling, es sei denn sie können individuell relevante Gründe vorbringen.

Auf der Liste stehen etwa die EU-Staaten, die Schweiz, Norwegen, Großbritannien, Kanada und Australien, Südkorea, aber auch ehemalige Sowjetrepubliken wie Georgien und Armenien, die nordafrikanischen Staaten mit Ausnahme Ägyptens, Senegal, Ghana, Benin, Balkan-Länder von Serbien über Bosnien-Herzegowina bis zum Kosovo und als einziges südamerikanisches Land Uruguay.

Unmöglich, als Flüchtling aus diesen Staaten Asyl zu bekommen, ist es nicht. So wurde 2021 beispielsweise sieben Serben, je drei Marokkanern, Tunesiern, Armeniern und Kosovaren und zwei Georgiern Asylstatus in Österreich zuerkannt.

Für den Status als "sicherer Herkunftsstaat" muss gewährleistet sein, dass in dem Staat keine politische Verfolgung stattfindet und gewisse Strafen ausgeschlossen sind. So sind die USA, in denen einigen Bundesstaaten weiter die Todesstrafe gilt, kein "sicherer Herkunftsstaat". (apa,dpa)