In der Umgebung von Kiew verzeichneten die ukrainischen Streitkräfte offenbar massive Geländegewinne. Die Rede war von der Rückeroberung von Dutzenden Ortschaften durch die Verteidiger. Die Entwicklung hat sich bereits in den Vortagen abgezeichnet, dürfte aber ab der Nacht auf Freitag massiv an Dynamik gewonnen haben. Zuletzt hat das ukrainische Militär die Rückeroberung des Kiewer Vorortes Irpin gemeldet. Die russischen Kräfte, die ursprünglich zum Vorstoß auf die ukrainische Hauptstadt ansetzen sollten, steckten bereits seit einiger Zeit fest - teilweise im Schlamm, möglicherweise deshalb, weil die Ukrainer den Irpin-Staudamm etwa 26 Kilometer nordwestlich gesprengt haben.

Debakel für Russen?

Die massiven ukrainischen Angriffe, eine mangelnde Versorgung mit Nahrung und Treibstoff sorgen dafür, dass die Moral der russichen Angreifer stetig sinkt. Britische Quellen sprechen von Desertionen, es soll auch zu Übergriffen von Soldaten auf Offiziere gekommen sein. Jetzt ist bereits von einem russichen Debakel vor Kiew die Rede.

In Kiew entspannt sich die Lage für die Bewohner. "Dank der standhaften Verteidigung und der heldenhaften Aktionen unserer Truppen verbessert sich die Situation", so der Stadtkommandant am Freitag.

Die russische Armeeführung zog die Notbremse, der Kreml kündigte zuletzt an, Kräfte rund um Kiew abziehen und nach Osten verlegen zu wollen. Westliche Militärexperten waren allerdings davon ausgegangen, dass Russland seine Angriffe auf Kiew fortsetzt, schon um bedeutende ukrainische Kräfte zu binden. Inwiefern das jetzt noch gelingt muss sich weisen.

Die russische Armee konnte zuletzt auch im Osten und Süden der Ukraine keine bedeutenden militärischen Fortschritte erzielen. Ukrainische Streitkräfte haben zuletzt im Raum Cherson Stellungen zurückerobert,  wobei den Ukrainern schweres Gerät in die Hände gefallen sein soll.