Im Krieg Russlands gegen die Ukraine wurden Bilder einer langen Schlange russischer Militärfahrzeuge in Rostow am Don am Dienstag publik. Die Kolonne bewege sich Richtung Donbass, berichtet CNN. Der Nachrichtensender zitiert einen ukrainischen Beamten, laut dem die Offensive im Donbass bereits begonnen habe.

In der fast völlig zerstörten Hafenstadt Mariupol haben ukrainische Soldaten über zur Neige gehende Lebensmittel- und Munitionsvorräte berichtet. Seit Beginn der Belagerung durch russische Truppen vor rund sechs Wochen seien keine Lieferungen mehr durchgekommen, sagt ein Soldat in einem am Dienstag zuerst auf Facebook veröffentlichten Video.

Der Mann, der sich und seine Kameraden als Mitglieder der 36. Marineinfanteriebrigade aus Mariupol vorstellt, trägt einen Bart und hat tiefe Augenringe. Wo der Clip aufgenommen wurde, war zunächst nicht klar.

Viele der verbliebenen ukrainischen Kämpfer haben sich offensichtlich im Stahlwerk "Asowstal" verschanzt. Der ukrainische Oberbefehlshaber Walerij Saluschnyj bekräftigte, die Verbindung zu den Verteidigern Mariupols sei nicht abgerissen. Er reagierte auf angebliche Vorwürfe der Marineinfanteristen, es gebe seit zwei Wochen keinen Kontakt mehr zur ukrainischen Militärführung.

Der Soldat in dem nun veröffentlichten Video betont, er und die anderen würden sich trotz der schwierigen Lage nicht ergeben. "Wir haben unsere Positionen nicht verlassen und bleiben (der Ukraine) immer treu." Dann filmt er durch den fensterlosen Raum, in dem mehrere seiner Kameraden ebenfalls in Militärkleidung sitzen. "Alle Ukrainer müssen sich an den Preis für diesen Widerstand erinnern. Und die Sache zu Ende bringen. Den Sieg bis zum Ende durchfechten!"

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Zweifel an der Entschlossenheit Europas geäußert, den Druck auf Russland wegen der Kriegsgräuel in seinem Land zu erhöhen. "Einige EU-Staaten können sich nicht festlegen, wann sie zumindest spürbar den Kauf russischer Energieträger einschränken", sagte der Staatschef in einer Ansprache an das litauische Parlament am Dienstag.

Der von Russland begonnene Krieg in der Ukraine werfe für Europa eine strategische Frage auf. "Sind die Werte noch lebendig, die zur Grundlage Europas nach dem Zweiten Weltkrieg wurden? Oder haben die Werte schon ihre Rolle gespielt und können höchstens noch als Exponate in Museen für Touristen dienen?", sagte Selenskyj.

Zuvor rief Selenskyj die Europäische Union eindringlich zu Sanktionen gegen alle Banken und die Ölindustrie Russlands auf. Für einen Stopp der Gas-Importe müsse die EU eine Frist setzen. "Nur dann wird die russische Regierung verstehen, dass sie sich um Frieden bemühen muss." Wenn es hinsichtlich eines Gas-Embargos noch immer keine Klarheit gebe, dann könne niemand sicher sein, dass es den Willen zur Beendigung russischer Kriegsverbrechen gebe.

Nach den Worten von Russlands Präsident Wladimir Putin ist der vom Westen ausgehende wirtschaftliche Blitzkrieg gegen Russland unterdessen gescheitert. Das russische Finanzsystem funktioniere gut, zitiert die Nachrichtenagentur Interfax Putin. Die russische Regierung erwartet allerdings den stärksten Konjunkturabsturz seit 1994. Ein Regierungsinsider sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes zwischen zehn und 15 Prozent zu rechnen sei.