Die russische Armee hat im Kampf um die Ukraine einen herben Verlust erlitten. Wie das Verteidigungsministerium in Moskau am Donnerstagabend mitteilte, ist das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte gesunken. 

In den ersten Kriegstagen war es für die Ukraine die perfekte David-gegen-Goliath-Geschichte. Als der schwere Raketenkreuzer "Moskwa" vor der südlich von Odessa gelegenen Schlangeninsel auftauchte und die Kapitulation des dort stationierten Grenzschutz-Trupps einforderte, bekam die Besatzung des Flaggschiffs der russischen Schwarzmeerflotte lediglich eine trotzige Antwort. "Russisches Kriegsschiff, fick dich", funkte der 32-jährige Marineinfanterist Roman Hrybow an die "Moskwa".

Der Vorfall auf der Schlangeninsel wurde binnen kürzester Zeit zum Symbol des unbeugsamen ukrainischen Widerstandswillens. Die aufgezeichnete Tonaufnahme des Funkverkehrs wurde in den Sozialen Medien millionenfach aufgerufen, "Russisches Kriegsschiff, fick dich" wurde auf Plakate, T-Shirts und viele andere Souvenirs gedruckt. Selbst eine Briefmarke mit einem der "Moskwa" den Mittelfinger zeigenden ukrainischen Soldaten gibt es bereits.
Sieben Wochen nach Kriegsbeginn hat die "Moskwa" aber nun nicht nur eine wichtige Schlacht im Informationskrieg um die globale Öffentlichkeit verloren, sondern sie wurde nun sogar versenkt.

Laut ukrainischen Angaben wurde der Raketenkreuzer in der Nacht auf Donnerstag von zwei ukrainischen Neptun-Marschflugkörpern getroffen und schwer beschädigt. Moskau dementierte noch und sprach davon, dass nach der Explosion von Munition ein Feuer ausgebrochen sei. Die 500 Mann starke Crew soll wegen des dabei ausgebrochenen Brandes vollständig evakuiert worden sein. 

Schwimmende Raketenbasis

Für die Ukraine ist der Angriff auf die "Moskwa", an dem auch eine in der Türkei produzierte Bayraktar-Drohne zur Ablenkung der schiffseigenen Abwehrmaßnahmen mitgewirkt haben soll, nicht nur ein enormer militärischer Prestigeerfolg. Die Attacke, die laut westlichen Militärexperten zahlreiche Defizite russischer Marineoperationen bloßgelegt hat, dürfte auch die Kriegslage im Süden der Ukraine beeinflussen.

Denn die Schiffe der Slawa-Klasse, zu der die "Moskwa" gehört, führen nicht nur große Menge an Anti-Schiffsraketen mit sich, sondern können auch Marschflugkörper gegen Landziele abfeuern.
Zudem diente die "Moskwa" auch als schwimmende Basis für Luftabwehrraketen, der von ihr gespannte Schutzschirm reichte bis zur von Russland gehaltenen, aber zunehmend umkämpften Stadt Cherson im Süden der Ukraine. Für die Bayraktar-Drohnen, die wegen ihrer geringen Fluggeschwindigkeit durch gegnerische Luftabwehrraketen gefährdet sind, gibt es durch einen Ausfall der "Moskwa" nun deutlich mehr Bewegungsspielraum.