Noch vor wenigen Monaten wurde Robert Golob in Slowenien landesweit nur mit Strom verbunden. Nun elektrisiert der frühere Chef des staatlichen Energiekonzerns Gen-I die slowenische Politik. Sein Erdrutschsieg bei der Parlamentswahl am Sonntag ist aber weniger dem Versprechen eines grünen Wandels zu verdanken als jener Person, dem die Slowenen nach einer autoritären Amtszeit wieder einmal die rote Karte zeigen wollten, dem konservativen Regierungschef Janez Jansa.

Tatsächlich hatte Golob mit seiner Freiheitsbewegung ("Gibanje svoboda") den Kampf um die slowenische Demokratie ins Zentrum gestellt. Perfekt assistierte ihm dabei ausgerechnet der jüngst massiv ins Fahrwasser Jansas geratene staatliche Fernsehsender RTV Slovenija. In der letzten TV-Konfrontation versuchte man ihm mit Fake News über ein angebliches Bankkonto in Rumänien am Zeug zu flicken, was den aus der westslowenischen Grenzstadt Nova Gorica stammenden Golob nur einen Lacher kostete. Wegen einer Corona-Infektion nur per Video zugeschaltet, berichtete Golob stattdessen von seiner Wahltour im "Autobus der Freiheit". Die Bürger, denen er begegne, würden aus lauter Vorfreude auf den Wahlsonntag "schon tanzen".

- © M. Hirsch
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Jansas Erbe soll in sechs Monaten beseitigt sein

Jansa ist damit wieder an einem Newcomer gescheitert, den er zuvor aus einem Staatsunternehmen hat entfernen lassen. In seiner ersten Amtszeit hatte Jansa im Jahr 2005 den Chef des Handelskonzerns Mercator, Zoran Jankovic, absetzen lassen, der sechs Jahre später den schon sicher scheinenden Wahlsieg Jansas vereitelte. Golob war erst im Herbst als Gen-I-Chef abgesetzt worden.

Der langjährige Geschäftsmann gilt als einer der besten Energieexperten Sloweniens und hat sich eine klimagerechte Wirtschaftspolitik auf die Fahnen geschrieben. Die politische Bühne betrat er offiziell im Jänner, als er eine grüne Kleinpartei übernahm und sie zur Freiheitsbewegung (Gibanje Svoboda) umtaufte. Die neue politische Gruppierung schoss umgehend an die Spitze der Meinungsumfragen. Unter dem Wahlslogan Freiheit (Svoboda) steht der politische Newcomer für eine "bessere Gesellschaft, in der sich alle frei und sicher fühlen werden", wie er in einem Interview für die Tageszeitung "Dnevnik" sagte. Mit Spannung wird erwartet, welcher europäischen Parteienfamilie - den Grünen oder den Liberalen - sich die Freiheitsbewegung anschließen wird.

Golob kündigte im Wahlkampf einen "vollständigen Bruch" mit der jetzigen Regierung an, um in Slowenien wieder eine offene und demokratische Gesellschaft herzustellen. Das Erbe der Mitte-rechts-Regierung will er in sechs Monaten nach der Wahl beseitigen und will auch mit keiner der bisherigen Koalitionsparteien kooperieren. Als seine natürlichen Partner bezeichnet er die links-liberalen Oppositionsparteien, die in den vergangenen zwei Jahren im Parlament eine Anti-Jansa-Front bildeten. Dass nach ersten Ergebnissen nur zwei der vier Anti-Jansa-Parteien den Wiedereinzug ins Parlament schaffen, dürfte Golob die Arbeit erleichtern. Schließlich war Jansa in der abgelaufenen Legislaturperiode nur wegen der Zerstrittenheit des auf sechs Parlamentsparteien verteilten links-liberalen Lagers an die Macht gekommen.

Golob gab sich sichtlich Mühe, sich als Gegenteil Jansas zu inszenieren. So lehnte er es ab, sich ein Twitter-Profil zuzulegen. "Twitter ist ein Spielzeug, auf dem manche Erwachsene – leider auch jene an der Macht – ihre Frustrationen ausleben", sagte er in einer TV-Debatte im Privatsender POP TV. Wenn man in einer Parallelwelt lebe, verliere man den Kontakt zur Realität, und dies sei auch dem aktuellen Regierungschef passiert, sagte Golob in Richtung des "Marschall Twito" genannten Jansa.

Politisch kein unbeschriebenes Blatt

Mit seiner wilden Lockenfrisur unterscheidet sich Golob auch deutlich von allen anderen Politikern. Sein Newcomer-Image darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass er politisch kein unbeschriebenes Blatt ist. So ist der promovierte Elektrotechniker schon seit 20 Jahren als Stadtrat in der westlichen Grenzstadt Nova Gorica tätig, seit 2006 mit einer eigenen Namensliste. In der Vergangenheit war er Vizechef der Partei Positives Slowenien (PS) von Zoran Jankovic, die 2011 die Parlamentswahl gewonnen hatte. Nach deren Spaltung wechselte er zur Partei von Ex-Ministerpräsidentin Alenka Bratusek, wo er ebenfalls als Vizechef (2014-16) fungierte. Unter der damaligen liberalen Regierung war Golob von 1999 bis 2002 Energie-Staatssekretär gewesen.

Den Chefposten von Gen-I übernahm Golob im Jahr 2006, wobei er zunächst auch Minderheitseigentümer des Unternehmens war. Im Wahlkampf hielt ihm das Regierungslager sein hohes Managergehalt vor, Innenminister und SDS-Vizechef Ales Hojs bezeichnete ihn gar als "Elektrooligarch". In der Wählergunst hat dies Golob aber offenbar nicht geschadet.

Als Regierungschef war er Medienberichten zufolge schon vor zehn Jahren im Gespräch, als Janas zweite Regierung durch ein Misstrauensvotum gestürzt wurde. Dies bestätigte kürzlich der frühere PS-Chef und Laibacher Bürgermeister Jankovic. Golob sei damals die erste Wahl für den Premiersposten gewesen, doch habe er aus persönlichen Gründen abgelehnt, weswegen Bratusek zum Zuge kam. Seine zweite Chance hat er nun umso eindrucksvoller genutzt. (apa)