Paris. Als Marine Le Pen dem "Journal du Dimanche" Ende März ein Interview gab, sprach die 53-Jährige nicht nur über die nahe Zukunft, sondern auch über die weiter entfernte. Und Le Pen machte dabei ziemlich deutlich, dass ein erneutes Antreten im Jahr 2027 nach zwei Präsidentschaftskandidaturen wohl nicht sehr wahrscheinlich sei. "Zum jetzigen Zeitpunkt denke ich nicht, dass ich dann kandidieren werde", sagte Le Pen damals gegenüber der Pariser Wochenzeitung.

"Ich werde den Kampf fortsetzen", verspricht Le Pen. - © afp
"Ich werde den Kampf fortsetzen", verspricht Le Pen. - © afp

Mittlerweile ist zwar auch Le Pens zweiter Versuch, in den Elysee-Palast einzuziehen, definitiv gescheitert, doch die knapp 42 Prozent, die die Rechtspopulistin am Sonntag bei der Stichwahl um das Präsidentenamt gegen Amtsinhaber Emmanuel Macron geholt hat, scheinen ihr nun doch Lust auf eine Fortsetzung gemacht zu haben. "Ich befürchte, in den nächsten fünf Jahren wird sich nichts an der brutalen Politik und der Verachtung ändern und Macron wird nichts tun, um die Spaltung Frankreichs zu überwinden", sagte Le Pen in ihrer durchaus angriffslustigen Dankesrede am Sonntagabend. Sie werde ihren Kampf für Frankreich und die Franzosen fortsetzen.

Le Pen hatte in den vergangenen Jahren viel Energie in einen Imagewandel gesteckt: Statt am rechten Rand mit offen ausländerfeindlichen Aussagen nach Stimmen zu fischen, inszenierte sich die Tochter des Holocaust-Verharmlosers Jean-Marie Le Pen als weichgespülte und in die Mitte gerutschte Version ihrer selbst. Mit dem Kampf gegen die Inflation fand Le Pen zudem ein Thema, mit dem sie sich als Vertreterin der kleinen Leute gegen Macron positionieren konnte.

Im rechten Lager hat sich die Chefin der Rassemblement National mit ihrer versuchten Neuerfindung allerdings auch angreifbar gemacht. So hat der 63-jährige Publizist Eric Zemmour bereits in der ersten Wahlrunde versucht, Le Pen die Rolle als Führungsfigur am rechten Rand streitig zu machen. Unterstützung dabei erhielt er ausgerechnet von Le Pens Nichte, Marion Marechal, die das Programm ihrer Tante als zu verwaschen und wenig scharf betrachtete.

Zemmour und die 32-jährige Marechal wollen nun möglicherweise auch bei der Parlamentswahl im Juni zusammenarbeiten. Die Kooperation dürfte dabei durchaus schlagkräftig sein, da die beiden Politiker wohl schon durch ihren Altersunterschied in der Lage sein sollten, unterschiedliche Wählerschichten im rechten Spektrum anzusprechen.(rs)


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