Die russische Regierung droht nach Berichten über Anschläge im abgespaltenen Moldauer Landesteil Transnistrien indirekt mit einem Einmarsch in der Region. Russland wolle nach Angaben des russischen Außenministeriums ein Szenario vermeiden, in dem es gezwungen sei, in Transnistrien zu intervenieren, berichtete die russische Nachrichtenagentur RIA am Dienstag, ohne nähere Details zu nennen.

Zuvor hatte sich die Regierung in Moskau besorgt über Anschläge auf zwei Sendemasten noch aus Sowjetzeiten in der von der Republik Moldau abgespaltenen Region gezeigt. Im Westen wurden damit Sorgen angefacht, Russland könne wie im Fall der Ukraine mit Verweis auf angebliche Bedrohungen in unter ihrem Schutz stehender Landesteile einen militärischen Einsatz starten.

Mit Sorge wurde in Rumänien insbesondere auch die immer extremere Kreml-Propaganda verfolgt, wonach Rumänien die Republik Moldau "annektieren" wolle.

So behauptete Sergej Markow, ein russischer Politologe und früherer Berater von Kreml-Chef Wladimir Putin, in der Montag-Ausgabe der russischen Tageszeitung "Prawda", Rumänien wolle das Nachbarland "mithilfe der Nato und unter Mitwirkung der ukrainischen Armee annektieren" und entsprechend auch "Transnistrien angreifen", um anschließend hart "gegen die russischsprachigen Einwohner" durchzugreifen.

Kreml zeigt ich "beunruhigt"

Davor hatten bereits zwei Separatistenchefs aus dem Donbass, Igor Strelkow und Denis Puschilin, behauptet, über Pläne des NATO-Staats Rumänien bezüglich einer Annektierung der Moldau unterrichtet zu sein. Infolge der jüngsten Explosionen in Transnistrien forderte Puschilin, das sogenannte "Oberhaupt" der "Donezker Volksrepublik", nun die russischen Behörden auf, ihre militärische "Sonderoperation" nicht nur auf die Ukraine zu beschränken, sondern umgehend auch auf Transnistrien auszuweiten.

Nachdem die transnistrischen Separatisten ihrerseits "Terrorattacken" auf das abtrünnige Gebiet beklagt hatten, sprach Kreml-Sprecher Dmitiri Peskow am Dienstag von einer "beunruhigenden" Lage vor Ort, Moskau werde deren Entwicklung aufmerksamst beobachten.

Die Behörden in Chisinau stellten indes klar, dass es sich bei den drei seit Montagabend in Transnistrien erfolgten Explosionen, die lediglich Sachschäden zur Folge hatten, um eine offenkundige "Provokation" und einen "Angriff unter falscher Flagge" handelt – Russland wolle damit Panik schüren und Vorwände schaffen, um das Separatistengebiet in den Ukraine-Krieg miteinzubeziehen. Staatspräsidentin Maia Sandu sagte am Dienstagnachmittag nach einer von ihr einberufenen Dringlichkeitssitzung des Obersten Sicherheitsrates, dass Transnistrien nach wie vor zur Moldau gehöre und letztere stets bestrebt sei, auf Deeskalation zu setzen und Konflikte zu vermeiden. Sandu hob zudem hervor, dass die Moldau keineswegs beabsichtige, Transnistrien abzuriegeln - aus dem abtrünnigen Gebiet flüchten die Einwohner zurzeit nämlich massiv aus Angst vor unmittelbar bevorstehenden Kriegshandlungen.

Zuletzt warnte Moskau  Großbritannien davor, die Ukraine zu Angriffen auf russischem Territorium zu ermutigen. Das russische Verteidigungsministerium bezog sich am Dienstag auf Äußerungen des Staatssekretärs im britischen Verteidigungsministerium, James Heappey, in der BBC, in denen Heappey Angriffe der Ukraine auf Nachschublinien innerhalb Russlands als legitim bezeichnet. Wenn Großbritannien die Führung in Kiew zu solchen Maßnahmen direkt ermutige und die Maßnahmen umgesetzt würden, werde dies umgehend zu "einer verhältnismäßigen Antwort" führen, erklärte das Verteidigungsministerium. "Die russische Armee ist rund um die Uhr in Bereitschaft, um mit hochpräzisen Langstreckenwaffen Vergeltungsschläge auf Entscheidungszentren in Kiew zu starten." Bei solchen Maßnahmen wäre es für Russland nicht unbedingt ein Problem, wenn Vertreter bestimmter westlicher Länder in diesen Entscheidungszentren anwesend wären, erklärte das Ministerium.