Chisinau. Mit dem Krieg in der Ukraine gerät ein Land in den Blick, das es in Österreich zumeist in der Weihnachtszeit in die Schlagzeilen schafft: Wenn die Hilfsorganisation Concordia, bekanntgeworden durch Pater Georg Sporschill, um Spenden für die Republik Moldau bittet. Teil von Moldau ist auch der schmale Landstrich Transnistrien an der ukrainischen Grenze, der allerdings seit drei Jahrzehnten von prorussischen Separatisten kontrolliert wird.

Die Region zwischen dem Fluss Dnjestr und der ukrainischen Grenze spaltete sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion von der Republik Moldau ab. 1992 lieferten sich die Separatisten mit Unterstützung der russischen Armee einen Krieg mit der prowestlichen Regierung Moldaus. Hunderte Menschen wurden getötet.

Kostenloses Gas
aus Russland

Im Jahr 2006 sprachen sich 97,1 Prozent der Wähler bei einem international nicht anerkannten Referendum für den Anschluss Transnistriens an Russland aus. Die nun amtierende moldauische Präsidentin Maia Sandu lehnt die Abspaltung ab. Sie fordert stattdessen den Abzug der russischen Truppen an der Grenze zwischen Transnistrien und Moldau. Stattdessen solle dort eine Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) stationiert werden. Die Regierung in Moskau lehnt diesen Vorschlag ab.

Transnistrien verwendet eine eigene Währung - den transnistrischen Rubel -, hat eigene Sicherheitskräfte und Pässe. Die meisten der schätzungsweise 465.000 Einwohner haben weitere Staatsangehörigkeiten: die moldauische, die russische oder auch die ukrainische. Moskau unterstützt die Wirtschaft Transnistriens, indem es kostenlos Gas liefert, und hat 1.500 Soldaten dort stationiert. Von den russischen Soldaten überwacht etwa ein Drittel als offizielle Friedenstruppe mit Kräften Transnistriens und Moldaus den geltenden Waffenstillstand. Die anderen Soldaten sichern ein riesiges Munitionslager. Transnistrien selbst hat etwa 5.000 Mann unter Waffen.

Im Würgegriff
des Sheriff-Imperiums

Transnistrien gilt seit langem als Schmugglerparadies. Über den Hafen im ukrainischen Odessa gelangen Zigaretten, Alkohol und andere Waren dorthin. Die Sheriff-Gruppe, die von zwei ehemaligen sowjetischen Polizisten gegründet wurde, hat das Gebiet im Griff und besitzt Supermärkte oder Tankstellen. Ein Drittel des transnistrischen Haushalts lande in den Kassen von Sheriff, berichtete 2015 die investigative Nachrichtengruppe RISE Moldova.

Sheriff steht auch der Partei Obnovlenie (Erneuerung) nahe, die bei der Parlamentswahl 2021 im Obersten Sowjet des Gebiets 29 der 33 Sitze erzielte.

Auf Besucher wirkt der nicht anerkannte Staat wie ein Museum der Sowjetunion. Symbole der UdSSR sind allgegenwärtig. Auf der Flagge prangen Hammer und Sichel, in der Hauptstadt Tiraspol steht eine riesige Lenin-Statue.