Eine große Parade der italienischen Alpini, der ältesten aktiven Gebirgsjägertruppe der Welt, am vergangenen Wochenende in Rimini beschäftigt jetzt die Justiz. Zahlreiche Frauen sollen bei dem dreitägigen Treffen, das rund 400.000 Personen in die Stadt an der Adriaküste gelockt hatte, verbal und körperlich belästigt worden sei. Der italienische Verteidigungsminister Lorenzo Guerini erklärte sich empört und forderte eine Untersuchung.

150 Frauen haben auf der Facebook-Seite des Frauenverbands "Non una di meno" verbale oder körperliche Belästigungen durch die Teilnehmer an der Parade beklagt. Vorfälle meldeten vor allem Frauen, die am Wochenende in Lokalen und Hotels der Badeortschaft arbeiteten, und auch einige Minderjährige. Bei der Polizei wurde bisher die Anzeige einer 26-Jährigen eingereicht, die berichtete, in der Menschenmenge von drei Männern umringt und angegriffen worden zu sein. Dabei sei sie verbal beleidigt worden.

Verteidigungsminister Lorenzo Guerini betonte, die gemeldeten Vorfälle müssten untersucht werden. "Ich möchte mit Nachdruck darauf hinweisen, dass diese Vorfälle den Werten der Alpini und einer Veranstaltung, die ein Fest der Solidarität und der Tradition ist, zuwiderlaufen", sagte Guerini in einer Erklärung am gestrigen Dienstagnachmittag.

Auch der Alpini-Verband ANA verurteilte die Vorfälle und forderte Aufklärung. "Wir distanzieren uns von dem Verhalten einiger Personen, das nicht zu den Traditionen und Werten gehört, die wir immer hochgehalten haben, und verurteilen es", so der Verband.

Circa 75.000 Alpini beteiligten sich an der Parade, die jährlich stattfindet, wegen der Pandemie jedoch zwei Jahre lang ausgefallen war. Die Alpini-Infanterie wurde im 19. Jahrhundert gegründet, um die nördlichen Grenzen Italiens zu verteidigen. Ihre Soldaten sind bei Paraden daran zu erkennen, dass sie eine schwarze Feder an ihrem Hut tragen.