Die vergangenen Monate waren für Janine Wissler "alles andere als einfach, für die Partei, auch für mich persönlich". So sagte es die 41-Jährige vor ihrer Wiederwahl als Vorsitzende der Linken beim Parteitag in Erfurt. Erst seit Februar 2021 hat die frühere Fraktionschefin im hessischen Landtag dieses Amt.

Und seither ging für die Partei fast alles schief: bittere Niederlagen bei der Bundestagswahl sowie den Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, ein Sexismusskandal in der Partei, der Rücktritt ihrer Co-Vorsitzenden Susanne Hennig-Wellsow.

Trotzdem trat die Diplompolitologin aus Langen wieder an - auch wenn sie wackelte. Denn nach Belästigungsvorwürfen gegen einen Mann in ihrem Landesverband Hessen musste Wissler ihr Privatleben öffentlich machen - der Beschuldigte war früher ihr Lebensgefährte. Sie fühlt sich von ihm betrogen und weist jede Verantwortung für sein Handeln von sich. In ihrer Bewerbung lag auch ein "Jetzt erst recht".

Wissler war seit 2004 bei der WASG (Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit), die sich 2007 mit der PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus) vereinigte. Seit 2021 sitzt Wissler für die Linke im Bundestag. Zuletzt warb sie für eine klare Verurteilung Russlands wegen des Ukraine-Kriegs. Die Linke sieht sie als "sozialistische Gerechtigkeitspartei". "Ich bin mit vollem Herzen Parteivorsitzende, und ich bitte euch um euer Vertrauen", sagte sie in ihrer Bewerbungsrede.