Nach dem russischen Raketenangriff auf Tschassiw Jar im ostukrainischen Gebiet Donezk ist die Zahl der aus einem zerstörten Wohnhaus geborgenen Toten auf 31 gestiegen. Neun Menschen seien seit dem Wochenende lebend aus den Trümmern gerettet worden, erklärte der ukrainische Zivilschutz. Am Abend meldete die Ukraine dann den Beschuss der Hafenstadt Odessa. Die Räumungsarbeiten dauern weiter an. Unterdessen bereitet Russland im Osten des Landes eine Großoffensive vor.

"Heute Abend gab es einen weiteren Raketenangriff. Glücklicherweise gab es keine Verletzten", sagte Maxim Marchenko, Gouverneur der Region Odessa laut Nachrichtenagentur Ukrinform. Er erklärte, dass im Laufe des Tages russische Kampfflugzeuge, die über dem Schwarzmeergebiet operierten, Raketen auf Odessa abfeuerten, von denen eine ein Privathaus traf. Andere Raketen hätten Infrastruktureinrichtungen wir das Hafengelände beschädigt. Marchenko betonte, die Angreifer hätten es gezielt auf zivile Objekte abgesehen, da sich dort kein militärisches Personal befinde.

Der ukrainische Generalstab hatte Montagfrüh mitgeteilt, dass eine regelrechte Bombardierungswelle begonnen habe, die bereits mehrere Städte im Osten getroffen habe. Massiv angegriffen wurde aber auch die Stadt Charkiw außerhalb des Donbass, es soll drei Tote geben.

Großoffensive in Donezk vorbereitet?

Man erwartet, dass die russischen Streitkräfte eine Großoffensive in Donezk vorbereiten. Der Donbass ist ein von Industrie geprägtes Gebiet im Osten der Ukraine, in dem bereits seit 2014 von Russland unterstützte Separatisten weite Teile kontrollieren.

Im Süden bereiten die ukrainischen Streitkräfte unterdessen selbst eine Gegenoffensive vor. Vize- Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk rief am Sonntag die Zivilbevölkerung in der von Russland besetzten Region Cherson auf, diese zu verlassen. "Ich weiß mit Sicherheit, dass dort keine Frauen und Kindern sein und dass sie nicht zu menschlichen Schutzschilden werden sollten", sagte Wereschtschuk im Fernsehen. Wann die Gegenoffensive beginnen könnte, ließ sie offen.

Seit Beginn des russischen Einmarsches vor viereinhalb Monaten werden in der Ukraine offiziellen Angaben zufolge rund 7.000 Armeeangehörige vermisst. Darunter seien Soldaten, Nationalgardisten, Grenzsoldaten und Geheimdienstleute, sagte der ukrainische Vermisstenbeauftragte Oleh Kotenko am Montag. Der Großteil der Vermissten werde in russischer Gefangenschaft vermutet. Allein die Armee habe dabei etwa 2.000 Soldaten als verschollen registriert. Russland spricht davon, mehr als 6.000 Ukrainer in Kriegsgefangenschaft genommen zu haben. Unabhängig überprüfen lassen sich solche Zahlen nicht. (APA/Reuters)