EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat Nordmazedonien aufgerufen, trotz eines Streits mit Bulgarien die Verhandlungen über einen EU-Beitritt aufzunehmen. "Ich ermutige Sie: Ergreifen Sie diese Gelegenheit!", sagte sie am Donnerstag im nordmazedonischen Parlament in Skopje. Nordmazedonien wartet seit 2008 auf den Beginn von Beitrittsgesprächen mit der EU.

Jüngst hatte das Nachbarland und EU-Mitglied Bulgarien dies blockiert. Es wollte Nordmazedonien Zugeständnisse in Minderheiten-, Geschichtsdeutungs- und Sprachfragen abringen.

Die französische EU-Ratspräsidentschaft erarbeitete einen Kompromissvorschlag, dem das bulgarische Parlament zustimmte. Nordmazedoniens sozialdemokratische Regierung ist auf dieser Grundlage bereit, mit Beitrittsverhandlungen zu beginnen. Sie sieht die bulgarischen Forderungen in dem Dokument hinreichend entschärft.

Bulgarien blockiert

Die nationalistische Opposition, aber auch liberale Kritiker befürchten, dass der Kompromiss Bulgarien weiter ermöglicht, den Fortgang der Beitrittsverhandlungen zu blockieren.

Von der Leyen trat diesen Bedenken entgegen. Der Vorschlag erkenne die mazedonische Sprache ohne Einschränkungen an. "Bilaterale Angelegenheiten wie die Interpretation der Geschichte sind keine Bedingungen der Beitrittsgespräche", sagte sie. (apa)