Die Quarantäne gibt es schon lange nicht mehr. Zumindest, wenn man es sprachlich sehr genau nimmt. Denn unter Quarantäne gestellt wurden die Kontakte von Corona-infizierten Personen. Die Infizierten selbst wurden aber durch eine behördlich verordnete Absonderung isoliert. Für die Praxis hatte diese begriffliche Unterscheidung aber keine Relevanz.

Schon im Vorjahr wurde, schrittweise, die Quarantäne von Kontaktpersonen faktisch abgeschafft. Erst wurden Geimpfte exkludiert, da der Impfschutz anfangs recht stabil schien. Als dann die Immunflucht-Variante Omikron auftauchte und der Schutz vor Infektion nur mehr wenige Wochen anhielt, wurde dies nicht mehr zurückgeändert. Diese Basismaßnahme der Infektionsepidemiologie, eine der ersten und wichtigsten, die in dieser Pandemie zum Einsatz kamen, ist seither nur mehr fragmentarisch in Kraft. Nur wer nachweislich infiziert ist, wird isoliert. Die Abschaffung der Absonderung stellt daher durchaus eine Zeitenwende im Pandemiemanagement dar.

Österreich ist kein Vorreiter. In einigen Nachbarstaaten ist diese Regelung bereits im Frühjahr gefallen. Nicht mehr isolieren muss man sich nach einem positiven Test in Slowenien, der Schweiz und Liechtenstein. Recht streng sind noch die Italiener, die zu Beginn der ersten Welle besonders von Erkrankungen und Todesfällen betroffen waren.

Deutschland hat nur mehr eine kurze Quarantäne

In Italien müssen sich Menschen, die Corona-Symptome entwickeln, noch zehn Tage lang selbst isolieren - wie das zuletzt auch noch in Österreich der Fall war. Personen, die eine Booster-Impfung erhalten haben, können sich aber nach sieben Tagen "freitesten", sofern sie ohne Symptome sind.

In Deutschland wird auch über das Ende der Quarantäne diskutiert. Die FDP plädiert dafür, auch der Chef der deutschen Kassenärzte, Andreas Gassen, hat sich dafür ausgesprochen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist dagegen.

Allerdings ist die bisherige Regelung in Deutschland weniger streng als in Österreich. Denn die Isolation endet automatisch fünf Tage nach dem positiven Test. Gerade zu Beginn der Infektion sind die meisten aber ohnehin krank. Die Symptome können jedoch gerade bei zuvor immunisierten Personen schon abklingen, bevor das Virus verschwunden ist. Wie lange aber tatsächlich infektiöses Virus ausgeschieden wird, ist noch nicht abschließend untersucht worden. "Die Angaben zur Ansteckungsfähigkeit variieren", schreibt das Robert-Koch-Institut.

In Tschechien dauert die verpflichtende Isolation mindestens sieben Tage und kann danach von einem Hausarzt beendet werden. In der Slowakei bestimmt ein Allgemeinmediziner die Dauer der Quarantäne für Personen mit Symptomen, ohne Symptome beträgt sie fünf Tage. Auch in Ungarn müssen sich bestätigte Covid-Fälle selbst isolieren. Nach sieben Tagen kann die Quarantäne beendet werden, wenn keine Symptome mehr vorhanden sind. (sir/apa)