Die Blockade dauerte nicht einmal einen Tag. Die politische Anspannung aber bleibt auch nach dem Abzug serbischer Lkw. An der Grenze zwischen dem Kosovo und Serbien entlädt sich der Zwist zwischen den Nachbarn immer wieder auf gewalttätige Weise.

So auch am Sonntag. Militante Serben errichteten im Norden des Kosovo Straßensperren, unter anderem mit Fahrzeugen. Zwei Grenzübergänge wurden blockiert. Unbekannte hätten zudem Schüsse in Richtung kosovarischer Polizisten abgegeben, verletzt worden sei dabei niemand, teilte die Polizei in Prishtina mit. Die dortige Regierung und jene in Belgrad machten die jeweils andere Seite für die Ereignisse verantwortlich. Die Lage entspannte sich erst am Montag, als Prishtina die Umsetzung neuer Einreiseregeln verschob.

Parallelstrukturen im Norden

Diese bilden nämlich den Hintergrund für die jüngste Eskalation - wie schon vor einem Jahr, als der Gesetzesvorstoß ebenfalls an Protesten scheiterte. Es geht dabei unter anderem um eine Vorschrift fürs Ummelden serbischer Autokennzeichen auf Kosovo-Schilder. Außerdem sollten ab Montag alle serbischen Staatsbürger bei der Einreise ein zusätzliches Dokument vorlegen. Umgekehrt wird eine ähnliche Regelung von serbischen Behörden seit längerem auf Kosovaren angewandt, die Serbien besuchen.

Nach den Randalen am Sonntagabend sowie Konsultationen mit den Botschaftern der Europäischen Union und der USA erklärte die Regierung in Prishtina jedoch, sie werde ihren Plan um einen Monat verschieben und am 1. September mit der Umsetzung beginnen. EU-Außenbeauftragter Josep Borrell begrüßte das.

Ob der Aufschub aber ein Ende der Zwistigkeiten bringt, ist ungewiss. Seit langem müht sich Prishtina um eine staatliche Integration der serbischen Gemeinden im Norden des Landes. Dort sind Parallelstrukturen entstanden, unterstützt und mitfinanziert von Belgrad, das die Unabhängigkeit des Nachbarn bis heute nicht anerkennt - und damit auch nicht dessen Personalausweise.

Nach Meinung des kosovarischen Premiers Albin Kurti stellen die geplanten neuen Einreiseregeln für Serben denn auch nur eine wechselseitige Maßnahme dar. Serbien zeigt sich empört; Präsident Aleksandar Vucic spricht zwar davon, "keinen Krieg" zu wollen, erklärt aber gleichzeitig: "Eine Kapitulation wird es nicht geben."

Die EU versucht in dem Konflikt zu vermitteln - mit dem Hinweis, dass eine Normalisierung der Beziehungen zwischen den Nachbarländern essenziell für die EU-Annäherung der zwei südosteuropäischen Staaten ist. Mit Serbien werden bereits Beitrittsgespräche geführt. Doch der Dialog zwischen Belgrad und Prishtina stockt.

Autonomie mit Gefahren

Teil der Verhandlungen war eben die Bildung einer Gemeinschaft der serbischen Gemeinden, die der Minderheit im Kosovo mit seiner mehrheitlich albanischen Bevölkerung mehr Autonomie ermöglichen soll. Das kosovarische Verfassungsgericht stellte allerdings fest, dass dieses Gebilde nicht mit der Verfassung des Landes konform wäre. Auch ortet Prishtina die Gefahr, dass die Einrichtung der Gemeinschaft Belgrad eine Möglichkeit zur anhaltenden Einmischung im Nordkosovo bieten könnte. Parallelen zu Bosnien-Herzegowina werden gezogen, wo im Landesteil Republika Srpska immer wieder mit Sezessionsgedanken gespielt wird. Die Ankündigung des Leiters des Kosovo-Büros der serbischen Regierung, Petar Petkovic, dass Belgrad nun auf eigene Faust die Gemeinschaft der serbischen Gemeinden bilden wolle, wirkt da kaum beruhigend.

Die EU bietet nun ihre Vermittlung an und fordert den Kosovo und Serbien wieder einmal zum Dialog auf. Wann ein Treffen stattfinden könnte, ist allerdings noch offen. (czar/apa/reu)