UNO-Generalsekretär António Guterres trifft am Donnerstag den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan in der Ukraine. Geplant ist ein Treffen in Lwiw (Lemberg) im Westen des von Russland überfallenen Landes, wie UNO-Sprecher Stephane Dujarric am Dienstag in New York sagte. Die Reise erfolge auf Einladung Selenskyjs, so Dujarric weiter. Ein Thema werde auch die Schwarzmeer-Getreideinitiative sein, hieß es.

Bei dieser spiele die Türkei eine entscheidende Rolle. Auch werde ein bilaterales Treffen Selenskyjs mit Guterres erwartet. Die UNO und die Türkei hatten Ende Juli Vereinbarungen vermittelt, dass die Ukraine trotz des russischen Angriffskrieges wieder Getreide über ihre Schwarzmeerhäfen ausführen darf. Die UNO befürchtet Lebensmittelknappheit und Hunger in armen Teilen der Welt, wenn die Ukraine als ein wichtiger Getreidelieferant ausfällt. Dujarric sagte weiter, es gebe "keinen Zweifel" daran, dass auch die gefährliche Lage um das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja und eine angepeilte internationale Experten-Mission zu dem Kraftwerk angesprochen werde.

Nach dem Treffen reise Guterres nach Odessa ans Schwarze Meer weiter, hieß es. Vor seiner Rückreise nach New York werde der UNO-Chef am Samstag in Istanbul das gemeinsame Koordinationszentrum zur Überwachung von Getreideexporten über das Schwarze Meer besuchen. Es blieb zunächst unklar, ob der UNO-Generalsekretär auch nach Kiew reisen wird.

Macron telefonierte mit ukrainischem Präsidenten

Der französische Präsident Emmanuel Macron wies in einem Telefonat mit Selenskyj nachdrücklich auf Risiken für Atomanlagen in der Ukraine hin. Laut Pariser Präsidialamt erklärte Macron in dem Gespräch außerdem, dass er den Vorschlag der Internationalen Atomenergiebehörde unterstütze, Saporischschja zu inspizieren. Selenskyj hatte zuvor über das Telefonat gesagt, er habe mit Macron über "Russlands Nuklearterrorismus" gesprochen.

Die ukrainischen Techniker im AKW Saporischschja arbeiten nach eigenen Angaben unter erheblichem Druck. "Die Russen laufen ständig mit Gewehren auf dem Gelände herum", sagte einer von ihnen. Sie blieben allerdings dran, um eine Katastrophe wie 1986 in Tschernobyl zu verhindern. Eine der Befürchtungen sei, dass die Stromleitungen zum Kraftwerk unterbrochen werden könnten, und die Pumpen, die den Reaktorkern und die Becken mit abgebrannten Brennelementen kühlen, nicht mehr funktionieren könnten.

Es gebe zwar ein Diesel-Notstromaggregat, aber man wisse nicht, wie viel Kraftstoff auf dem Gelände noch vorhanden sei. Energoatom, die oberste ukrainische Kernkraftsicherheitsbehörde, erklärte, sie glaube, die Mitarbeiter der Anlage seien in Gefahr. Das russische Verteidigungsministerium reagierte bisher nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme.

Moskau und Kiew werfen sich gegenseitig vor, das größte Atomkraftwerk Europas zu beschießen. Russische Truppen halten das Kraftwerk seit Anfang März besetzt, es wird aber noch von ukrainischen Technikern betrieben. (APA/Reuters)