Gilt das Verheizen von Holz als erneuerbare Energie? Und ist das daher förderwürdig? Nicht mehr im derzeitigen Ausmaß, hat am Mittwoch zumindest einmal das EU-Parlament in Straßburg entschieden. Dieses Ergebnis der Abstimmung über die Erneuerbare-Energien-Richtlinie "Red III" ist noch nicht bindend, es bietet aber die Basis für die sogenannten Trilogverhandlungen zwischen EU-Kommission, EU-Parlament und Rat, die nun als nächster Schritt folgen.

Es war ein heftig umstrittener Vorschlag - am Ende war das Votum jedoch klar und deutlich: 418 Ja-Stimmen zu 109 Gegenstimmen und 111 Enthaltungen - damit verabschiedete das EU-Parlament die Zustimmung zur Überarbeitung der Richtlinie "Red III". Bis 2030 soll der Anteil erneuerbarer Energien auf 45 Prozent steigen, und auch ein Änderungsantrag wurde damit angenommen, der den Einsatz von Holzprodukten bei der Fernwärme betrifft. Demnach soll in den kommenden Jahren der Anteil von Primärholz - also etwa Bäume, die durchaus für Möbel oder den Hausbau genutzt werden können, aber eigens zur Verbrennung geschlägert werden - in Heizanlagen schrittweise abgesenkt werden. Nebenprodukte wie Sägemehl oder kleine Äste sind davon nicht erfasst.

Dabei geht es nicht um ein Verbot, sondern um die Förderungswürdigkeit mit EU-Geldern (die "Wiener Zeitung" hat berichtet). Aktuell wird zum Beispiel der Ausbau von Holz- und Biomasseanlagen gefördert. "Es ist schlicht und einfach falsch, dass die Biomasse verboten werden soll", sagte dazu der Grün-Abgeordnete Thomas Waitz. "Wir können weiterhin unsere Kachelöfen mit Holz heizen, unsere Pelletheizungen nutzen, und kleine, regionale Biomassekraftwerke in Österreich können ebenfalls weiter produzieren." Im Vorfeld habe eine "Desinformationskampagne der Industrielobby zugeschlagen".

Festlegung verbindlicher nationaler Beiträge

Ziel des Parlaments ist, dass der Endenergieverbrauch in den Haushalten bis 2030 um mindestens 40 Prozent und der Primärenergieverbrauch (Energiegehalt aller im Land eingesetzten Energieträger) um 42,5 Prozent im Vergleich zu den Prognosen von 2007 gesenkt wird. Die Mitgliedstaaten sollten verbindliche nationale Beiträge zur Erreichung dieser Ziele festlegen. Diese Ziele sollen durch Maßnahmen auf lokaler, regionaler, nationaler und europäischer Ebene in verschiedenen Sektoren - wie öffentliche Verwaltung, Gebäude, Unternehmen oder Datenzentren - erreicht werden.

Kern dieser Maßnahmen ist, den Wald als CO2-Speicher zu erhalten. Damit möchte man einen wesentlichen Schritt zur Erreichung der EU-Klimaziele setzen, wonach die Mitgliedsländer Treibhausgase bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 senken sollen. Bis 2050 sollen sie klimaneutral werden, was bedeutet, nur so viel CO2 zu produzieren, wieviel an anderer Stelle kompensiert werden kann, wodurch sich die Menge an schädlichen Klimagasen in der Atmosphäre nicht erhöht.

Diesen Zugang, weniger Holz zu verheizen und dadurch weniger CO2 zu produzieren, kann Christoph Pfemeter, Geschäftsführer des österreichischen Biomasse-Verbands, allerdings nicht nachvollziehen. Ganz im Gegenteil. "Die Definition des Primärholzes ist sehr weit gefasst. Wenn man Holz stehen lässt, das nicht gesund ist, gibt es durch den natürlichen Prozess die gleiche Menge CO2 ab, wie wenn man es verheizt", sagt Pfemeter zur "Wiener Zeitung". Im Vorschlag der EU-Kommission, den die EU-Staaten in diesem Passus übernahmen, steht als Definition lediglich, Mitgliedstaaten sollen keine Förderungen für die Verwendung von Sägerundholz, Furnierholz, Stümpfen und Wurzeln zur Energieerzeugung gewähren. Mit "Red III" werde somit wertvolles Brennholz im Wald verrotten, so Pfemeter.

"Führt zu Verwerfungen am Markt"

Doch nicht nur das. "Abgesehen vom Klimaaspekt führt eine Änderung der Fördermodelle zu Verwerfungen am Markt: Die Produktion von Pellets und Hackschnitzeln oder auch Biomassekesseln ist genauso beeinträchtigt", sagt Pfemeter, "und das schlägt sich dann in Folge auf die Preise im Strom- und Wärmebereich nieder." Kleine Nahheizwerke seien somit indirekt ebenfalls betroffen - selbst wenn sie "Red III" nicht direkt erfasst. Für das Holz selbst zahlt man schon jetzt aufgrund des Ukraine-Krieges, der Russland-Sanktionen und der damit verbundenen Energiekrise etwa doppelt so viel wie vor einem Jahr.

"Alles, was den Ausbau von Biomasse konterkariert, ist in Zeiten der Energiekrise unvernünftig", kritisierte auch Österreichs Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP). "Den nachwachsenden Rohstoff Holz und Biomasse nicht mehr als erneuerbare Energiequelle zu nutzen, aber Kohlekraftwerke zu aktivieren, passt nicht zusammen."

Zwischen 18 und 20 Prozent des gesamten Energiebedarfs werden in Österreich laut Pfemeter aktuell durch Biomasse gedeckt. Was die in der EU genutzten erneuerbaren Energien betrifft, so stammten 2019 laut Eurostat fast 60 Prozent aus Biomasse. Ein Großteil davon ist Holz, das in Form von Scheiten, Pellets, Hackschnitzeln oder Rinde zum Heizen verwendet wird. Einer EU-Studie zufolge ist die Hälfte davon kein Abfallprodukt, sondern stammt direkt aus eigens geschlägerten Bäumen, auf die sich die "Red III" nun bezieht.

Es war die "Woche des Waldes" im EU-Parlament: Am Dienstag hatte dieses bereits über die Lieferketten-Verordnung und die EU-Waldstrategie abgestimmt, die Trilogverhandlungen folgen. Erstere soll verhindern, dass weltweit Wald abgeholzt wird, weil die EU-Länder Produkte wie Soja, Palmöl oder Kautschuk importieren. Bei der EU-Waldstrategie geht es darum, wie die Waldbewirtschaftung nachhaltiger gestaltet werden kann.