Der neue britische Finanzminister Kwasi Kwarteng kippt nach heftigem Widerstand auch in den eigenen Reihen die umstrittene Abschaffung des höchsten Einkommenssteuersatzes von 45 Prozent. Das Vorhaben lenke von den eigentlichen Plänen zur Bewältigung der derzeit anstehenden Herausforderungen ab, teilte Kwarteng am Montag mit. Deshalb werde der Spitzensteuersatz nicht abgeschafft. "Wir haben verstanden und wir haben zugehört."

Kwarteng hatte vor kurzem ein umfangreiches Paket mit Hilfen zur Abfederung der hohen Energiepreise sowie Steuersenkungen vorgestellt mit dem Ziel das Wachstum der britischen Wirtschaft nach oben zu treiben. Offenblieb jedoch die Finanzierung des Pakets, was an den Finanzmärkten für Turbulenzen sorgte. Mitglieder der Regierung versuchten, Investoren zu beruhigen. Erst am Sonntag bekräftigte Premierministerin Liz Truss, die seit knapp vier Wochen im Amt ist, die Pläne. Das Paket habe schnell angekündigt werden müssen, weil man hätte handeln müssen. Allerdings hätte sie mehr tun können, um den Boden für das Vorhaben zu bereiten, räumte Truss ein.

Insbesondere die geplante Abschaffung des Spitzensteuersatzes von 45 Prozent hatte in der eigenen Partei für Unmut gesorgt: Die Konservativen könnten als die Partei angesehen werden, die Steuern für die Reichsten senkt, während sie wenig für die Schwächsten tut. (reuters)