Die britische Premierministerin Liz Truss hat beim ersten Treffen der neuen Europäischen Politischen Gemeinschaft in Prag klargestellt, dass sie keine Annäherung an die EU wünscht. "Es geht darum, dass wir mit allen unseren europäischen Partnern zusammenarbeiten, um Putins entsetzlichen Krieg in der Ukraine etwas entgegenzusetzen", sagte Truss in einem Interview mit britischen Medien am Donnerstag am Rande des Treffens in der tschechischen Hauptstadt.

Zudem gehe es darum, bei den Themen Energiekosten, steigende Inflation und Migration zusammenzuarbeiten. Sie stellte aber auch klar: "Es geht nicht darum, näher an Europa zu rücken."

Vor ihrer Teilnahme am Treffen in Prag hatte Truss ihre Prioritäten deutlich gemacht. "Das darf nicht der G7 oder der Nato zusetzen, und es darf keine Laberrunde sein. Ich will konkrete Handlungen auf drei Feldern sehen", schrieb die Regierungschefin am Donnerstag in einem Gastbeitrag in der "Times".

Sowohl in der Sicherheits- als auch in der Energie- und Migrationspolitik will Truss mit den EU- und Nicht-EU-Ländern zusammenarbeiten, die sich in Prag auf Initiative des französischen Präsidenten Emmanuel Macron treffen.

Truss: Putin muss verlieren

"Wir müssen sicherstellen, dass Putin verliert", schrieb Truss und forderte die Staaten auf, gemeinsam die Abhängigkeit von russischem Öl und Gas zu beenden. Kein Land in Europa habe die Ukraine mehr unterstützt als Großbritannien. "Trotzdem ist unsere Antwort stärker, weil wir mit unseren europäischen Freunden zusammengearbeitet haben." Sie werde sich in der neuen Runde dafür einsetzen, dass die Nicht-EU-Länder - darunter neben Großbritannien etwa auch Norwegen, die Schweiz und die Ukraine - eine starke Stimme erhielten.

Sie schlug damit einen ungewöhnlich milden Ton gegenüber Europa an. Im Wahlkampf punktete sie bei der konservativen Tory-Parteibasis mit Anti-EU-Populismus und Seitenhieben gegen Macron. Doch auch im seit langem währenden Streit über Handelsbestimmungen für Nordirland nach dem Brexit scheint Truss nun einen weniger konfrontativen Kurs einschlagen zu wollen. Der irische Außenminister Simon Coveney sagte am Mittwoch mit Blick darauf, dass London und Brüssel die Verhandlungen zu dem Konfliktthema wieder aufnehmen wollen: "Der Ton hat sich fundamental verändert." Dies seien "positive Nachrichten".

Truss, die erst Anfang September von Boris Johnson das Amt der Regierungschefin übernommen hatte, gilt als Brexit-Hardlinerin. Und das, obwohl sie sich beim Referendum über den EU-Austritt 2016 noch für den Verbleib in der Staatengemeinschaft eingesetzt hatte. Wenige Wochen nach Amtsantritt ist sie wegen umstrittener Haushaltsentscheidungen jedoch bereits unter Druck in der eigenen Partei. (dpa)