Heute, am 7. Oktober wird Wladimir Putin 70 Jahre alt. Zu diesem Anlass schreiben europäische Zeitungen am Freitag:

"La Razón" (Madrid):

"Der russische Präsident wird heute 70 Jahre alt und ist in einem schwarzen Loch gefangen, das er selbst geschaffen hat. Die russische Elite und auch der Rest der Welt haben das Gefühl, dass der Kreml-Chef dabei ist, die Kontrolle über den Krieg (in der Ukraine) zu verlieren. Die Soldaten verlassen ihre Posten im Südosten und widersetzen sich dem Befehl ihrer Befehlshaber, bis zum bitteren Ende zu kämpfen. Russland verfügt nicht über genug Truppen, um eine Invasion des zweitgrößten Landes Europas aufrechtzuerhalten. Es gab daher eine Teilmobilisierung, vor der bereits 700.000 Russen ins Ausland geflohen sind. (...)

Putin hat nun das Risiko einer nuklearen Konfrontation auf den höchsten Stand seit dem Ende des Kalten Krieges erhöht. Aber er kann die internationalen Regeln und den Nichtverbreitungsvertrag nicht brechen, ohne massive Konsequenzen befürchten zu müssen. Die Angst kann die Seiten wechseln. In Russland herrscht inzwischen die Meinung vor, dass Putin ein bereits abgeschriebener Führer ist."

"Neatkariga Rita Avize" (Riga):

"Heute begeht in Russland der Diktator und Kriegsverbrecher Wladimir Putin seinen 70. Geburtstag. Im Gegensatz zu Stalins 70. Geburtstag 1949 und Breschnews 70. Geburtstag 1976, die landesweit im großen staatlichen Rahmen und in Anwesenheit ausländischer Freunde (Führer anderer sozialistischer Länder) gefeiert wurden, wird Putins rundes Jubiläum ruhig und unauffällig gefeiert. Die stille Feier (in anderen Jahren war er um diese Zeit meist irgendwo in der sibirischen Taiga unterwegs) entspricht Putins Naturell als verheimlichender KGBler (...)

Zugegebenermaßen feiert Putin seinen siebzigsten Geburtstag in einer völlig anderen Atmosphäre als Stalin oder Breschnew, die an ihren Jubiläen auf dem Zenit ihrer Macht waren. Doch kann man schon sagen, dass Putin auch die mächtigste Person der Weltgeschichte ist. Denn es gab in der Historie verschiedene Herrscher und Tyrannen, aber keiner hatte ein so riesiges und zerstörerisches Arsenal an Atomwaffen. Da Putin jedoch im Ukrainekrieg feststeckt, ist seine Position nicht zu bewundern."

"Aftonbladet" (Stockholm):

"Putins erneuter Angriff auf die Ukraine scheint einer der größten Missgriffe der modernen Militärgeschichte zu sein. Und durch Russlands Mobilisierung hat sogar die gewöhnliche russische Mittelschicht erstmals angefangen zu entdecken, dass der Krieg überhaupt nicht der Krieg von jemand anderem ist, irgendwo anders. Ihre Söhne werden nun eingezogen, schnell ausgebildet und als Kanonenfutter für die Artillerie der Ukraine herausgeschickt. Es ist nicht verwunderlich, dass nun große Gruppen junger Männer aus Russland fliehen. Wie lange kann es dauern, bis Wladimir Putin ihnen folgt? Der einzige Weg zu nachhaltigem Frieden in unserem Teil der Welt ist, dass Putin von der politischen Bühne verschwindet und Russland 'entputinisiert' wird." (apa,dpa)